• vom 07.05.2018, 15:57 Uhr

Cannes

Update: 07.05.2018, 16:16 Uhr

Filmfestival Cannes

Immer Ärger mit der Revolution




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Von Matthias Greuling

  • Das Filmfestival von Cannes eröffnet seine 71. Ausgabe am Dienstag unter schwierigen Vorzeichen.



Cannes ehrt den Film-Fotografen Georges Pierre mit einem Poster.

Cannes ehrt den Film-Fotografen Georges Pierre mit einem Poster.© Katharina Sartena Cannes ehrt den Film-Fotografen Georges Pierre mit einem Poster.© Katharina Sartena

Cannes. Es gibt ein schwarz-weißes Foto vom 18. Mai 1968, das in die Geschichte des Festivals von Cannes einging. Darauf zu sehen ist eine Reihe damals bekannter Regisseure und Schauspieler, die in tumultartiger Szenerie vor einer Leinwand im Kino einander Hände und Füße entgegenstrecken. Francois Truffaut geht gerade zu Boden, sein Lieblingsschauspieler Jean-Pierre Léaud sieht entsetzt zu, Jean-Luc Godard zeigt in all dem Getümmel so etwas wie einen teuflischen Lacher.

Der Nouvelle Vague war gelungen, wofür sie Anfang der 60er Jahre eingetreten war: Radikal umzuwerfen, was da ist. 1968, vor 50 Jahren, wurde das Festival von Cannes wegen der Studentenunruhen in Paris auf das Betreiben von Truffaut und Godard abgebrochen. Die Vorführung, vor der besagtes Foto entstand, wurde abgesagt. "Pfefferminz Frappe" des Spaniers Carlos Saura sollte im Wettbewerb laufen. Weil durch den Festivalabbruch keine Preise vergeben wurden, gingen hoffnungsvolle Filmemacher wie Milos Forman ("Der Feuerwehrball"), Alain Resnais ("Ich liebe dich, ich liebe dich") oder Jiri Menzel ("Ein launischer Sommer") damals leer aus. Carlos Saura zeigte "Pfefferminz Frappe" später bei der damals noch im Juni stattfindenden Berlinale und erhielt den Silbernen Regie-Bären.

Würdigung eines Film-Fotografen

Und 2018? Zum Jubiläum des damaligen Aufstandes, eines Ereignisses, dessen Andenken auf der Hand liegt, hat man in Cannes auf den ersten Blick keinerlei Würdigung geplant. Das Festivalplakat, das alljährlich groß wie eine Kinoleinwand über dem roten Teppich des Festival-Palais thront, hätte sich für den Abdruck des schwarz-weißen Fotos von 1968 bestens geeignet, jedoch entschied sich das Festival für ein anderes Sujet, das zumindest die Protagonisten jener Zeit ehrt: Dort küssen einander nun Jean-Paul Belmondo und Anna Karina in einer Szene von Godards "Pierrot le fou", zu Deutsch "Elf Uhr nachts", aus dem Jahr 1965. Das Festival will damit auf den Standfotografen des Bildes verweisen: Georges Pierre schoß die Standfotos zu mehr als 100 Filmen, darunter Arbeiten von Rivette, Sautet, Resnais, Louis Malle und eben Godard. Pierre gründete damals die "Association des Photographes de Films", weil er seinen Berufsstand zu wenig beachtet fand. Das Festival zollt ihm nun Tribut, in einem wunderbaren Poster, in dem aber keine Spur von Revolution zu finden ist.

Cannes hat sich immer bedeckt gehalten, wenn es darum ging, Position zu beziehen - genau deshalb ist der damalige Abbruch des Festivals legendär; denn eigentlich regieren hier die Granden und Diven des "guten, alten" Kinos, die alteingesessenen Film-Mogule, zu denen bis vor kurzem auch Harvey Weinstein zählte. Er war Stammgast an der Croisette, stets in Begleitung schöner Frauen.




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Dokument erstellt am 2018-05-07 16:03:40
Letzte Änderung am 2018-05-07 16:16:55


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