• vom 03.01.2013, 17:19 Uhr

Comics & Mangas

Update: 19.03.2013, 14:56 Uhr

Japan

Das Erbe von Hiroshima




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Sonja Blaschke aus Tokio

  • Vom autobiografischen Manga zum Bühnenstück für eine Person
  • Eine japanische Geschichtenerzählerin kämpft künstlerisch gegen die Atomkraft.

Kaori Kanda braucht für ihre Kodan-Erzählung nur ihre Hände und einen Fächer. - © S. Blaschke

Kaori Kanda braucht für ihre Kodan-Erzählung nur ihre Hände und einen Fächer. © S. Blaschke

Tokio. Der Tag, an dem Gen drei Angehörige verlor, begann wie viele andere. Es war nach acht Uhr, die Schwester bereitete sich auf die Schule vor, der Vater las Zeitung, der jüngere Bruder spielte. Dann wurde die Bombe über der Stadt gezündet. Das Elternhaus ging in Flammen auf, der Vater schrie, Trümmer erschlugen die Schwester. "Es ist so heiß, Mama!", weinte der Jüngste. Sie wollte ihn umarmen, um mit ihm zu sterben. Ein Nachbar riss die hochschwangere Frau im letzten Moment weg. Bald darauf brachte sie am Straßenrand ein Mädchen zur Welt, Tomoko. Gen hatte überlebt, weil eine schwere Holzwand auf ihn stürzte. Der damals Sechsjährige hob die Kleine hoch und versprach ihr, wenn sie erwachsen würde, würde er sie immer beschützen und für sie sorgen.

"An dieser Stelle rollen vielen im Publikum die Tränen herunter", beobachtete die Geschichtenerzählerin Kaori Kanda. Es ist für sie eine Schlüsselszene des Mangas "Barfuß durch Hiroshima" von Keiji Nakazawa, auf dem ihr gleichnamiges "Kodan"-Stück, eine traditionell japanische Form des Erzählens, basiert.


Keine Lizenzgebühr für Manga-Szenen
Am Gedenktag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am
6. August 2012 traf Kanda den Zeichner zum letzten Mal. Er saß im Rollstuhl, trug eine Maske und habe dennoch zu ihr gesagt: "Pass‘ gut auf deine Gesundheit auf." Sie kannten sich seit Januar 1986. Damals, wenige Monate vor dem GAU von Tschernobyl, bat sie ihn um Erlaubnis, Szenen aus seinem Manga zu verwenden. Lizenzgebühren wollte der Zeichner nicht nehmen: "Führe das Stück nur schnell und so oft es geht auf, meine Unterstützung hast du." Die 58-Jährige spielt es seit 26 Jahren mehrmals pro Jahr, und seit 11. März 2011 noch öfter.

Gen - das ist Nakazawa selbst. In einem Fernsehinterview sagte er einmal, er könnte problemlos ein Filmset der grausamen Szenerie bauen. Das Einzige, was sich im Stadtzentrum in den Tagen nach der Bombe noch bewegt habe, seien die Fliegen über den Leichen gewesen. Aber irgendwann habe man sich daran gewöhnt und nichts mehr gefühlt.

Am 19. Dezember 2012 starb Nakazawa an Lungenkrebs, einer der vielen Spätfolgen der radioaktiven Strahlung, die sein junger Körper abbekommen hatte.

Seine Kindheitserinnerungen als Manga umzusetzen, sei die Idee seines Verlages gewesen. Von 1973 bis 1985 zeichnete er auf mehr als 3000 Seiten das Grauen des ersten Atombombenwurfs der Welt, auf den am 9. August ein zweiter in Nagasaki folgte. Zunächst erschien sein Manga im Magazin "Shonen Jump", wo die Erzählerin Kanda auf ihn aufmerksam wurde. Später setzten andere Magazine die Serie fort, Verlage im Ausland publizierten Übersetzungen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-01-03 17:23:04
Letzte Änderung am 2013-03-19 14:56:13




"Der Heldenkanzler" von Benjamin Swiczinsky.
>>> Hier geht es zum Trailer von "Heldenkanzler"


Japan

Manga, Manga!

Akita Shoten-Verlag Die japanischen Comics sind mittlerweile auch in vielen europäischen Comicläden zu finden und machen den klassischen Titeln wie Asterix, Mickey und Co... weiter




Cosplay

Manga von A bis Z

Manga Zeichnung - © Deamond - Creative Commons Anime Während in Japan damit allgemein Zeichentrickfilme bezeichnet werden, versteht man in westlichen Ländern darunter Trickfilme aus Japan... weiter




Manga

Anime

Das wandelnde Schloss - © Studio Ghibli Der japanische Zeichentrickfilm, der Anime, war es, der die Mangas in den Westen brachte. Damals war nur kaum jemandem bewusst woher Wickie, Heidi... weiter




Manga

Die Fans

Cosplay - © Chris 73 - Creative Commons So wie hierzulande die Popstars verehrt werden, so haben die Mangaka in Japan einen besonders hohen Status. Bei Signierstunden in den großen... weiter




Comics

Denken in Sprechblasen

Der Versuch, Comics zum Gegenstand eines seriösen Diskurses zu machen, mag auf den ersten Blick selbst ein wenig komisch wirken... weiter





Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung