• vom 07.02.2014, 16:26 Uhr

Comics & Mangas

Update: 08.02.2018, 16:58 Uhr

Comics

Reise zum Anfang einer langen Nacht




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Von Christa Hager

  • Die Ereignisse des Februar 1934 als Comic: Linolschnitte von Thomas Fatzinek.

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Manchmal lenken Kritik, Zweifel und Ablehnung geradewegs auf neue Bahnen. So hat die Nachricht über ein Comic über den Holocaust Thomas Fatzinek zum Comic-Zeichner gemacht. "Um Himmels willen! Ein Comic über die Shoah!  Das darf man nicht machen!", waren seine ersten Reaktionen, als er 1989 von Art Spiegelmans Comic "Maus" erfuhr. Nach einigen euphorischen Kritiken wurde er dann aber doch neugierig, las das Buch und war, wie er erzählt, "so was von begeistert. Und ich hab' gewusst: Man kann über den Holocaust ein Comic machen. Vorausgesetzt man hat das nötige Talent. Und Art Spiegelman hat es!"

Der erste Eindruck war ein bleibender. Jahre später beginnt Fatzinek dann selbst, mit Comics zu historischen Ereignissen zu experimentieren: Seine Bildgeschichten erzählen vom US-amerikanischen Justizmord an den italienischen Anarchisten Sacco und Vanzetti oder vom Kampf Hermann Langbeins in Spanien. Mit "Als die Nacht begann" hat er wiederum ein Comic als Linolschnitt vorgelegt, das auf 58 Seiten die Geschichte eines jungen Arbeiters aus der Zwischenkriegszeit erzählt. Oskar, der Held seiner Geschichte, wächst als Arbeiterkind im "Roten Wien" auf. Er erlebt die Gründung der Ersten Republik und den Justizpalastbrand mit. Radikalisiert durch die Kompromissbereitschaft der Sozialdemokratie angesichts der Zerschlagung der Demokratie durch die christlichsoziale Partei und die faschistischen Heimwehren, organisiert er sich im republikanischen Schutzbund. Nach der vereitelten Waffensuche im Hotel Schiff in Linz und dem Ausbruch der Kampfhandlungen im Februar 1934 ebendort, erleben wir Oskar bei den Kämpfen im Karl-Marx-Hof und der anschließenden Flucht via Kanalisation.

Information

Thomas Fatzinek: "Als die Nacht begann" (Wien, 2004, Eigenverlag).

Link:
www.tomfatz.net

Mehr zum Thema im Dossier 1934



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Form und Funktion erweitert um Emotion: Geschickt hat der Künstler mit "Als die Nacht begann" ein Comic vorgelegt, das  viele historische Fakten in eine scharfsinnige und leidenschaftliche Geschichte einbindet. Der Titel dieser Arbeit bezieht sich allerdings nicht bloß auf die Nacht des 13. auf den 14. Februar, als sich in Wien die Niederlage der Schutzbündler im Kampf um Recht und Freiheit und gegen den Faschismus abzeichnete, sondern auf die Zeit bis 1945 überhaupt: Denn nach den Februarkämpfen blieb es bis 1945 dunkel.


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Entstanden ist "Als die Nacht begann" in den Jahren 2002 bis 2004 – als Abschlussarbeit seines Studiums in der Werkstätte Druckgrafik der Wiener Kunstschule. "Selbst die Schrift ist geschnitzt, einen ganzen Sommer lang hab ich dafür nur die Buchstaben gemacht", erzählt er. Dass er sich für einen Linolschnitt entschieden hat, liegt auf der Hand, denn er versucht mit seinen Arbeiten immer, den Stil ans Thema anzupassen. So wird der traditionsreiche und vergleichsweise billige Holzschnitt, der im Verfahren dem Linolschnitt gleicht, schon seit dem 15. Jahrhundert  für politische Information und Agitation genutzt – früher für Leute, die nicht oder kaum lesen konnten, später vor allem auch für Plakate und Flugblätter. Impulsgeber für diese Arbeitsweise waren für ihn vor allem der belgische Künstler Franz Masareel und Gerd Arntz, der in seiner Funktion als Wegbereiter des modernen Piktogramms berühmt wurde; seine Holzschnitt-Arbeiten über die Fabriks- und  Straßenkämpfe der 1930er  Jahre sind heutzutage indessen weniger bekannt.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-07 16:31:09
Letzte Änderung am 2018-02-08 16:58:25




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