• vom 16.10.2017, 16:45 Uhr

Comics & Mangas

Update: 16.10.2017, 16:58 Uhr

Comic

Anne Frank mit Sprechblasen




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lukas Wodicka

  • "Das Tagebuch der Anne Frank" als Comic – darf das sein? Am 5. Oktober erscheint eine Adaption des weltbekannten Stoffes ins Kästchenformat. Der Rechtsextremismusforscher Andreas Peham gibt Auskunft über "Do’s and Dont’s" der Holocaustvermittlung.

Andreas Peham ist Rechtsextremismus- undAntisemitismusforscher beim Dokumentationsarchiv des österreichischenWiderstandes. Zu seinem Forschungsgebiet zählt mitunter Holocaust-Education.

Andreas Peham ist Rechtsextremismus- undAntisemitismusforscher beim Dokumentationsarchiv des österreichischenWiderstandes. Zu seinem Forschungsgebiet zählt mitunter Holocaust-Education.© privat Andreas Peham ist Rechtsextremismus- undAntisemitismusforscher beim Dokumentationsarchiv des österreichischenWiderstandes. Zu seinem Forschungsgebiet zählt mitunter Holocaust-Education.© privat

"Wiener Zeitung": "Das Tagebuch der Anne Frank" erscheint am 5. Oktober in deutscher Ausgabe als Comic/Graphic Novel. Wie stehen Sie dazu?

Andreas Peham: Grundsätzlich sehe ich die Adaption in das Comicformat positiv. Ich gehe davon aus, dass es eine seriöse Publikation sein wird und den Standards der Holocaustforschung entspricht. Auch wenn das nicht immer ganz einfach sein mag, weil gerade in der Pädagogik vieles vereinfacht werden muss. Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass es bereits eine Tradition an wirklich guten Comics über den Holocaust gibt. "Maus. A Survivor’s Tale" von Art Spiegelman etwa. Er wurde dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Die beiden israelischen Künstler Ari Folman und David Polonsky zeigen sich optimistisch, mit der Adaption eine neue Generation an Lesern ansprechen zu können. Teilen Sie diesen Optimismus?

Angesichts der Seh- und Lesegewohnheiten der jüngeren Semester würde ich es zwar nicht Optimismus nennen, aber ich habe zumindest Hoffnung.

Verlieren bisherige Vermittlungskanäle für den Holocaust an Wirkung?

Das würde ich so nicht sagen. Manche Kanäle stehen mitunter bald einfach nicht mehr zur Verfügung – wie etwa Zeitzeugengespräche. Das heißt, es müssen permanent neue Möglichkeiten der Vermittlung gesucht werden. Kunst, und dazu gehören auch gut gemachte Comics, halte ich generell für das geeignetste Transportmittel. Eine rein dokumentarische Aufbereitung des Holocausts kann gerade jüngere Personen rasch überfordern.

Ist es an der Zeit, dass sich auch die Computerspielindustrie der Holocaustthematik annimmt?

Das wäre dringend an der Zeit, aber vorschreiben kann man es ihr nur schwierig. Vorsicht ist dennoch geboten: Gerade für die Abenteuer- und Strategiesparte eignet sich der Holocaust wohl nur bedingt. Wenn man ein Computerspiel hingegen didaktisch wertvoll aufbereitet, warum nicht?

Gibt es Medien, die für die Darstellung des Holocausts ungeeignet sind?

Grundsätzlich kann ich kein Medium ausschließen. Äußerst vorsichtig sollte man aber mit Material der Nazis umgehen. Sie wollten natürlich auf gewisse Art und Weise gesehen werden und Millionen sind dem schönen Schein des Dritten Reichs auch erlegen. Wenn man heute unkritisch mit diesem Originalmaterial im Unterricht arbeitet, dann besteht die Gefahr, dass Jugendliche wieder dieser Faszination erliegen. Ich persönlich finde, dass die Darstellungsweise des Holocausts immer problematischer wird, je realistischer sie versucht zu sein. Eine Entfremdung ist wichtig, weil ein realistisches Abbild nicht möglich ist. Der Holocaust ist Eins zu Eins nicht darstellbar.

Das heißt, sie präferieren einen Comic wie beispielweise "Maus. A Survivor’s Tale" gegenüber einem bemüht realistischen Film?

Ja, ganz klar. Wichtig ist, dass die Bilder vom Holocaust in den Köpfen entstehen. Man sollte vom Versuch, den Holocaust realistisch darstellen zu wollen, möglichst Abstand nehmen und künstlerische Ansätze forcieren.

Kann es passieren, dass wenn die Darstellung zu künstlerisch wird, man sich vom Kern der Sache entfernt?

Es stellt sich die Frage, ob man sich dem Kern des Holocausts überhaupt annähern kann – vor allem in einem Alter von 14 – 15 Jahren.

Auch wenn solche ursprünglich als trivial angesehenen Medien wie Comics mittlerweile in Ordnung gehen, um den Holocaust zu behandeln – So manches scheint dennoch inkompatibel mit dem Holocaust zu sein: Humor etwa. Wird sich das auch noch ändern?

Humor ist und war eine wichtige Ressource für das Widerständische. Prinzipiell ist es entscheidend, welche Art von Humor gebraucht wird. Ein zynischer Herrenmenschen- oder Galgenhumor ist aber natürlich gänzlich fehl am Platz und das sollte auch so bleiben.

Wenn ich ein konkretes Beispiel nennen darf: Bei der Sendung "Willkommen Österreich" fiel vor ein paar Jahren der "Witz": "Wären die Juden mit den ÖBB gefahren, wären sie noch heute nicht in Auschwitz."

Das ist an der Grenze. Hier wird der Holocaust für eine Spitze gegen die ÖBB missbraucht. Doch was bei diesem Beispiel wichtig ist: Dahinter steht weniger die Absicht, den Holocaust zu verharmlosen oder gar zu leugnen. Hier veranschaulicht sich außerdem die Tendenz der letzten Jahre, den Holocaust als eine Chiffre für Verfolgungen, für Ungerechtigkeiten, für Völkermord zu verwenden – egal ob in der Satire oder in der Kritik. Das birgt die Gefahr des Missbrauchs. Prinzipiell sollte Humor aber gestattet sein. Er soll auch ruhig schockieren, denn gerade dann kann er auch produktiv sein.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-16 16:45:59
Letzte Änderung am 2017-10-16 16:58:11



"Der Heldenkanzler" von Benjamin Swiczinsky.
>>> Hier geht es zum Trailer von "Heldenkanzler"


Japan

Manga, Manga!

Akita Shoten-Verlag Die japanischen Comics sind mittlerweile auch in vielen europäischen Comicläden zu finden und machen den klassischen Titeln wie Asterix, Mickey und Co... weiter




Cosplay

Manga von A bis Z

Manga Zeichnung - © Deamond - Creative Commons Anime Während in Japan damit allgemein Zeichentrickfilme bezeichnet werden, versteht man in westlichen Ländern darunter Trickfilme aus Japan... weiter




Manga

Anime

Das wandelnde Schloss - © Studio Ghibli Der japanische Zeichentrickfilm, der Anime, war es, der die Mangas in den Westen brachte. Damals war nur kaum jemandem bewusst woher Wickie, Heidi... weiter




Manga

Die Fans

Cosplay - © Chris 73 - Creative Commons So wie hierzulande die Popstars verehrt werden, so haben die Mangaka in Japan einen besonders hohen Status. Bei Signierstunden in den großen... weiter




Comics

Denken in Sprechblasen

Der Versuch, Comics zum Gegenstand eines seriösen Diskurses zu machen, mag auf den ersten Blick selbst ein wenig komisch wirken... weiter





Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung