Auf Ameisengröße schrumpfen zu können und dabei trotzdem noch Superheldenkräfte zu besitzen, das geht nur in der fantastischen Comicwelt von Marvel, in der inzwischen fast jeder Superheld seinen eigenen Kinofilm hat - im Fall von "Ant-Man" ist es sogar schon der zweite Kinoauftritt, getauft: "Ant-Man and the Wasp", Ameisenmann und die Wespe.

Mit dem Vorgänger "Ant-Man" (2015) wagte man sich bei Disney, zu dem der Marvel-Verlag gehört, erstmals aus der sicheren Deckung der Prestige-Superhelden heraus: von Iron Man bis Spider-Man, von Thor bis zu den "Avengers" - sie alle zählen zum Premiumzirkel der Superhelden, doch Namen wie Ant-Man hatten bis dahin eher ein Nischendasein gefristet; zu unspannend für ein eigenes Kinoabenteuer, weil sie auch schon als Comic eher bescheidenen Erfolg hatten.

Hauptsache, es rumst

Doch Disney hat sich getäuscht: Die Marke Marvel ist inzwischen so stark, dass es egal scheint, welche Figuren sich da die Köpfe einschlagen. Hauptsache, es rumst ordentlich. Scott Lang, gespielt von Paul Rudd, ist also dieser Ant-Man, der sich im neuen Film um das Verhältnis zu seiner Tochter kümmert (Superhelden haben auch sehr irdische Probleme).

Gemeinsam mit Hope van Dyne (Evangeline Lilly), der Tochter seines Mentors Hank Pym (Michael Douglas), wird Ant-Man von diesem auf eine Mission entsandt - und die sieht spektakulär aus, ist inhaltlich aber kaum von Relevanz. Hope von Dyne trägt jedenfalls einen Anzug, der einst ihrer Mutter (Michelle Pfeiffer) gehörte, und der dem Kleid einer Wespe sehr ähnelt. So steigt immerhin eine neue Superheldin in den Ring der noch nicht allzu zahlreichen Frauen im Comic-Universum. "Ich bin sehr stolz darauf, dass ich die Frau sein darf, die sagt ‚Time is up‘, es ist Zeit für eine Superheldin. Ich will zeigen, dass Frauen genauso mutig, stark und intelligent wie Männer sind - und obendrein noch sexy", sagt Wasp-Darstellerin Evangeline Lilly. "Ich habe mich immer gewundert, warum es nicht schon früher Superheldinnen auf der Leinwand gab. In Comics spielen sie seit Jahrzehnten die Hauptrolle. Als Mädchen habe ich mich nur für die Superheldinnen interessiert - und ich glaube, in Wahrheit die Buben auch".

Die Figur des Ant-Man wiederum legt Paul Rudd als absoluten Normalo an; auch das ungewöhnlich für einen Superhelden, der, wenn er schon nicht ein Kindheitstrauma mitbringt, doch zumindest eine überaus starke Persönlichkeit haben sollte. "Ich spiele einen normalen Typ, der mit seinem Dasein als Superheld überfordert ist. Scott will einfach nur ein guter Vater für seine Tochter sein", skizziert Paul Rudd seinen Zugang zur Rolle. Für viele, einschließlich seines Film-Partners Michael Douglas, kam die Besetzung des Helden mit dem ebenfalls sehr "normalen" Rudd überraschend. "Schon bevor ich in der Rolle von Scott alias Ant-Man präsentiert wurde, war mir klar, dass die Leute überrascht sein würden. Ich glaube aber, dass sie sich mit mir identifizieren können", so Rudd.

Dass inzwischen auch die Nebenfiguren des Marvel-Universums mit äußerst prominent besetzten Kinoabenteuern reüssieren, liegt am Konzept des inzwischen 20 Filme umfassenden Marvel Cinematic Universe. "Sie sind technisch extrem gut und die Geschichten sind sehr ausgereift", sagt Michael Douglas. "Dazu haben die Produzenten ein Händchen dafür, großartige Talente zu casten, die obendrein noch nett sind. Die Besetzung ist oft ungewöhnlich und überraschend. Robert Downey Jr. etwa, der nach all seinen persönlichen Problemen als ‚Iron Man‘ zurückkehrte. Oder Paul Rudd jetzt als ‚Ant-Man‘". Der 73-jährige Douglas sieht derlei Franchises auch von einer anderen Seite: "Ich bin nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzent. Das unterscheidet mich vielleicht von anderen. Wenn ich ein Drehbuch lese, sehe ich den fertigen Film vor mir und denke, das ist spannend, das ist sexy, das berührt mich. Danach sehe ich mir die Struktur des Drehbuchs an, ob sie funktioniert. Und erst dann beschäftige ich mich mit meiner eigenen Figur."

Für Douglas ist "Ant-Man and the Wasp" daher genau die richtige Wahl gewesen, zumindest nach seiner eigenen Empfindung: "Ich spiele lieber eine kleine Rolle in einem großartigen Film als eine große in einem schlechten."