Der erste Versuch eines "Facebooks" dauerte exakt fünf Tage. Danach sah sich die Universität Harvard gezwungen zu handeln und sperrte eine Online-Applikation namens "Facemash". Das Programm, das ein Student im dritten Semester geschrieben hatte, unterzog die Server der Uni einem Belastungstest: Beworben in diversen Mailinglisten, wurden 22.000 Bilder pro Stunde geladen und von anderen Studenten auf ihre "Hotness" bewertet. Die Administration der Uni bekam davon Wind und schritt ein. Die Vorwürfe gegen den Programmierer waren gravierend: Sicherheitsverletzungen, Copyrightverstöße und schwerer Verstoß gegen die Privatsphäre der Studenten, deren Bilder ohne deren Wissen verwendet wurden. Das hatte Konsequenzen: Der Programmierer - ein gewisser Mark Zuckerberg - hatte das erste Verfahren seines Lebens am Hals. Es sollte nicht das letzte sein.

Letztlich wurde das Verfahren eingestellt, doch das Anecken an den Grenzen dessen, was rechtlich gerade noch geht, zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch das Leben des Facebook-Gründers Zuckerberg. Es war am 4. Februar 2004, als "Thefacebook.com" online ging. Die Idee war simpel und doch genial: ein Bilderverzeichnis mit Interaktionsmöglichkeit - zunächst nur für die Studenten aus Harvard, später auch für andere Universitäten und High Schools. Nicht dass es diese Studentenkataloge (auch diese analogen Bücher wurden seit jeher "Facebook" genannt) nicht schon lange auf Papier gegeben hätte, aber diese übers Netz zugänglich und vor allem durch den Abgebildeten selbst gestaltbar zu machen, war zu verführerisch, um wieder in der Schublade zu verschwinden. Die Idee, so stellte sich übrigens später heraus, hatte Zuckerberg gemeinsam - oder besser in Konkurrenz - mit drei Mitstudenten entwickelt. Ein Verfahren der Ausgebooteten endete 2008 mit einem Vergleich, in dem den Miterfindern Anteile im Wert 300 Millionen zugestanden wurden.

"Hot or not?"

Der rasche Aufstieg von Facebook von der nerdigen "Hot or not"-Liste im Kreise von reichen Ivy-League-Studenten zum Kommunikations- und Unterhaltungstool von täglich mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Erde mit einem Jahresgewinn von mehr als 16 Milliarden Dollar (2017) spricht für sich. Egal auf welcher Flughöhe man sich dem Phänomen Facebook nähert, hier wurde offenbar ein Produkt geschaffen, für das die Zeit reif war und das von vielen Menschen dieser Erde als nützlich gesehen wird. Das muss man auch erst einmal schaffen.