Auch Twitter übt seine Faszination nicht auf jugendliche Zielgruppen aus. Sich gemeinsam mittels eines Hashtags (also einer Auszeichnung, in diesem Fall dem "#") über Themen zu unterhalten, diese Themen auch danach suchen zu können und viel zu diskutieren, ist hier das Asset. Je pointierter, witziger, extremer oder auch glaubhafter, desto besser. Oder man wird US-Präsident und schickt seine Ideen einfach einmal schnell damit in die Welt.

Digitales Vergessen

Will man sich nämlich dem Blick der Autoritäten nicht aussetzen, bedarf es schon anderer Netzwerke. Snapchat hat sich hier als eine Option etabliert. Man teilt, was sich löscht. Kurz da, wieder weg, und nichts ist passiert. Eine der letzten Bastionen des Verschwindens im digitalen Zeitalter. Je jünger, desto Video- und Bild-fokussierter, könnte man sagen. Wobei auf Pinterest oder Instagram eine Durchmischung der Altersstruktur zu finden ist. Fotos verbinden über alle Grenzen hinweg. Diese Plattformen setzen eigentlich ein außergewöhnliches (Er-)Leben voraus. Was ist schon wert, fotografiert zu werden. Glücklicherweise machen Handarbeit, Kochen und ein Regenbogen auch einzigartig. Und die besseren Fotos kann man ohnehin gratis im Netz finden, also ein paar Selfies müssen schon dabei sein, wo ist schon der Unterschied zum Rest der Welt, außer dem Abbild meines Selbst. Dabei sollte man nur aufpassen, dass das perfekte Selfie nicht ins Krankenhaus führt. Womit man schon bei der höheren Form der Selbstdarstellung angekommen wäre: Networking für den Beruf. Die Aufsplitterung der Netzwerke hat dazu geführt, dass es natürlich auch einen Ort geben muss, der der Arbeit, dem eigenen beruflichem Können und Weiterkommen gewidmet sein muss.

Schwierig zu managen

Xing und LinkedIn waren schon lange am Markt, führten aber ein Nischendasein, bis der Bedarf nach Plattformen abseits der Freizeitkultur gegeben war. Möglichst kompetent muss das digitale Ich sein. Mit Fähigkeiten ausgestattet, die nicht nur den eigenen Chef erneut von den vorhandenen Qualitäten überzeugen sollen, sondern auch den möglichen neuen - man weiß ja nie.

Es scheint als seien soziale Netzwerke zu Kleidungsstücken geworden, die man je nach Anlass anzieht. Das geteilte Ich, das auf allen Plattformen tanzen will, wird zusehends schwieriger zu managen. Wenn man vergleicht, wie viele Rollen man in der analogen Realität zu erfüllen hat und wie viele sich in der digitalen noch auftun, könnte man vor Überforderung schon zittern.

Wer weiß, wann dann wieder das eine große Netzwerk auftaucht, in dem man dann unterschiedliche Ausgabekanäle unter einer Plattform vereint anzeigen lassen kann. Den mutigen Weltreisenden, den perfekten Do-it-yourself-Kreativen, das kompetente Arbeitstier und den stolzen Familien- und Freundesmenschen. Ein Profil, sie zu erfreuen und zu erreichen. Damit der digitalen Schizophrenie eine digitale, selbstgesteuerte Selektion folgen kann. Nach den Regeln der Anwender, nicht der Konzerne. Träumen darf man überall.