Sehnsucht nach Sicherheit auf der einen und nach Freiheit auf der anderen Seite - auf diese Grundformel läuft die Debatte hinaus. Dass beides jedoch keine fixen Größen sind, wird dabei oft übersehen. Sowohl absolute, garantierte Sicherheit als auch ebenso absolute Freiheit sind im Zusammenleben von Menschen nicht zu garantieren. Wie sehr das eine auf Kosten des anderen eingeschränkt wird, Freiheit auf Kosten der Sicherheit oder umgekehrt, ist eine gesellschaftspolitische Frage - und die ist wie viele andere pendelnden Schwankungen unterworfen.

Derzeit schlägt das Pendel, so lässt sich beobachten, in Richtung mehr Sicherheit auf Kosten persönlicher Freiheit aus. Das lässt sich nicht nur in der Politik beobachten. "Anonymität fördert Kriminalität" betitelte die Bundesregierung jüngst eine Plakatserie zum Ende der anonymen SIM-Karten mit 1. Jänner. Auch in der Bevölkerung sorgt das Gefühl einer schwelenden Gefährdungslage, die gesellschaftliche Umbrüche mit sich bringen, für eine breite Zustimmung - beziehungsweise bleibt der Widerspruch überschaubar.

Diese Sehnsucht nach Transparenz und Greifbarkeit ist in Zeiten unkontrollierbarer oder zumindest unüberschaubarer digitaler Datenwelten nachvollziehbar. Sie bringt im Gegenzug auch ein Offenlegen eigener Daten mit sich. Ob diese verstärkte Transparenz das Internet und das Leben außerhalb davon wirklich nachhaltig sicherer machen wird, das wird schwer zu belegen bleiben.

Digitale Identität generiert sich aus Daten, die jeder Einzelne hinterlässt. Online Einkäufe, Reisebuchungen, Aktivitäten auf Sozialen Medien und Messengerdiensten, das Bezahlen mit Kredit- oder Bankomatkarte, der Arztbesuch mit der E-Card oder auch das alltägliche Surfverhalten im Netz: All diese Tätigkeiten hinterlassen eine digitale Datenspur. Meist existieren die Profile, die dabei entstehen, getrennt von einander. In Summe ergeben sie jedoch ein sehr präzises Bild der Person, die sie hinterlässt.

Preis der Bequemlichkeit

Die so generierten Daten haben zu allererst einmal einen ökonomischen Wert. Durch sie können Verkäufer punktgenau Produkte in entsprechenden Zielgruppen platzieren, bewerben und verkaufen. Als zweiten Schritt ist es durch Datenauswertungen möglich, neue Bedürfnisse vorauszuahnen und neue Produkte oder Dienstleistungen zu erarbeiten, lange bevor der Endkunde sich dessen überhaupt bewusst ist. Dass hier große Konzerne Geschäfte mit persönlichen Daten machen, ist der Preis für die Bequemlichkeit, Waren jederzeit vom Sofa aus zu bestellen und auch noch bis an die Türe gebracht zu bekommen.