Wien. Mit Kindern etwas zu erleben, war gestern. Heute steht der Fokus eher auf Ruhigstellen, um die eigenen Bedürfnisse als Erwachsene in aller Ruhe befriedigen beziehungsweise Termine unbeschwert wahrnehmen zu können. So sieht es zumindest aus, wenn man einen Blick zum Beispiel in Arztpraxen, Gastwirtschaften oder Shoppingcenter wirft.

Nicht selten trifft man Kleinkinder an, die mit dem Tablet oder Smartphone vor Augen im Buggy durch Warenhäuser geschoben werden. Ihnen entgehen die dreidimensionale, glitzernde und lebhafte Welt und das bunte Treiben von Geschäft zu Geschäft. Beim Arzt zu warten, ist langweilig. Eine Spiele-App kann Abhilfe schaffen, um die gefühlte Wartezeit zu verkürzen. Es mag auch praktisch sein, im Restaurant in Ruhe speisen zu können, während der Nachwuchs mit der interaktiven Spielewelt beschäftigt ist.

Nutzung wird extremer

Die Nutzung digitaler Medien ist bereits seit einigen Jahren bis ins Kleinkindalter vorgedrungen. "Schon 18 Monate alte Kinder schauen Filme auf YouTube an, Zweijährige spielen mit den Smartphones der Eltern", weiß auch Catherine Walter-Laager, Professorin für Elementarpädagogik an der Universität Graz. Wie sich das auf deren Entwicklung und Gesundheit auswirkt, ist noch nicht klar. Um das herauszufinden, sollen nun die Konsequenzen des Medienkonsums bei Kleinkindern im Detail erforscht werden. Bisherige Arbeiten zeigen zumindest eines ganz deutlich: Die Nutzung wird von Jahr zu Jahr "ein bisschen extremer", schildert Walter-Laager im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Immer mehr Eltern wollen ihre Sprösslinge aber auch bewusst früh an die Medien heranführen, damit sie nicht den Anschluss in die digitale Welt verpassen. Doch erst mit dem achten Lebensjahr sind Kinder in der Lage, zwischen Virtualität und Realität, zwischen Fantasie und Fiktion zu unterscheiden, erklärt der deutsche Psychotherapeut und Autor Bert te Wildt in seinem Buch "Digital Junkies". Das Problem eines zu frühen und langen Konsums von Bildschirmmedien sei in der Regel gar nicht so sehr, was Kinder dabei erleben, sondern vielmehr, was sie in dieser Zeit alles nicht erleben.

Dieses Nichterleben könnte Konsequenzen mit sich bringen. Welche, versucht das Team um Walter-Laager nun herauszufinden. In Tests sollen bei den Probanden etwa die motorischen Fähigkeiten überprüft werden. In Fragebögen werden die Mediennutzung der Eltern als Vorbilder und die Nutzung mit ihren Kindern ermittelt. Das dritte Element der Studie ist eine physiologische Gehirnmessung.