Selfie, Selfie, Karlskirche bei Nacht, einsamer #Traveler auf Justizpalasttreppe, Selfie, Sachertorte - unter Hashtags wie #Vienna finden sich auf Instagram abertausende Schnappschüsse sowohl von den Hauptattraktionen bestimmter Reisedestinationen als auch von kleineren Sehenswürdigkeiten abseits der Trampelpfade. Da verwundert es kaum, dass immer mehr Nutzer die Plattform als Inspirationsquelle für ihre Reiseplanung nutzen. Und mehr noch: Eine Studie der britischen Versicherungsfirma Schofields aus dem Jahr 2017 ergab, dass von 1000 Befragten zwischen 18 und 33 Jahren stolze 40,1 Prozent ihren Urlaub sogar explizit nach der Instagram-Tauglichkeit der Destination auswählen. Es geht also längst um mehr als bloß um vergnügliche Selbstdarstellung - besonders für den Tourismus.

Reiseziele mit Instagram-Hotspots

Viele Reiseblogs versorgen ihre Leserschaft daher mit Listen von Instagram-Hotspots der jeweiligen Reiseziele. Für Wien zeigen diese Sammlungen zwar durchaus eine Mischung aus imperialer Nostalgie und moderneren Ecken der Stadt. Allerdings fällt dennoch ein starker Überhang an klassischen Touristenattraktionen wie Stephansdom, Riesenrad oder Café Central auf. Inhaltlich unterscheiden sich die Instagram-Highlights also kaum vom klassischen Marco-Polo-Reiseführer. Doch darum geht es im Prinzip auch nicht. "Viele Touristen besuchen die Hotspots nur, um das perfekte Foto davon zu schießen. Sie interagieren nicht unbedingt mit den Sehenswürdigkeiten", sagt Lidija Lalicic, die die Zusammenhänge von Social Media und Tourismus an der Wiener Modul-Universität erforscht. Und gerade historische Bauten, barocke Schlossparks und Pferdekutschen sprechen die nostalgische Bildsprache, die die Instagram-Ästhetik stark ausmacht, eben fließend. Doch Instagram deshalb gleich ein negatives Image anzudichten, wäre zu kurz gegriffen: "Es ist ein großartiges Mittel, sowohl für das Marketing als auch für den User, um sich über Orte zu informieren." Immerhin liegt es in der Hand der Nutzer selbst, wie sehr sie sich der Jagd nach dem perfekten Foto hingeben.

Dem Wiener Tourismusverband (kurz: WienTourismus) ist längst klar, wie wichtig ein ansprechender Instagram-Auftritt ist. "Instagram ist eine der Hauptinspirationsquellen, besonders für Millennials", sagt stellvertretende Unternehmenssprecherin Andrea Zefferer. "Es ist also ein Kanal, der unbedingt bespielt werden muss." Dabei arbeitet man mit vornehmlich nutzergenerierten Inhalten, also Fotos, die Touristen und Einheimische der Plattform unter dem Hashtag #viennagoforit zum Posten zur Verfügung stellen. Die User tragen also mit ihren Posts selbst aktiv zum Marketing der Stadt bei. Was tatsächlich übernommen wird, hängt davon ab, ob Bildqualität und Motiv den Anforderungen entsprechen. Gerade als Wiener Tourismusverband kommt man da natürlich auch nicht um die sehenswürdigen Dauerschlager wie Stephansdom und Co. umhin. Immerhin sind sie es ja auch, die das internationale Profil der Stadt maßgeblich prägen.