• vom 01.02.2019, 06:30 Uhr

Das digitale Ich

Update: 01.02.2019, 12:07 Uhr

Demokratie

Mit Algorithmen ins Wählerhirn




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Von Martyna Czarnowska

  • Soziale Medien prägen die politische Kommunikation mit. Das heizt die Debatten um Gefahren für die Demokratie an.


© WZ-Collage: Irma Tulek; Quelle: adobe stock © WZ-Collage: Irma Tulek; Quelle: adobe stock

Wien/Brüssel/Berlin. Demokratie, Öffentlichkeit für alle, Teilhabe - hurra! In den Anfangszeiten des Internets überschlugen sich die Jubelmeldungen, wurden die unendlich scheinenden Möglichkeiten im weltweiten Netz beschworen. Die technologische Revolution würde auch den Entwicklungen in Gesellschaft und Politik neue Dynamik verleihen, hieß es. Und all das werde die Demokratie lebendiger machen und stärken.

Doch dann schlichen sich erste Zweifel und Sorgen ein. Es folgten Ernüchterung und Kritik. Bis sie dann im Raum standen, die Fragen: Wie beeinflussen die Informationsflut und die Sozialen Medien unsere - auch politischen - Urteile? Was ist Nachricht, was Propaganda? Wird das Wahlverhalten manipuliert? Schließlich: Ist die Demokratie im und durch das Internet in Gefahr?


Die Verzückung ist jedenfalls verflogen, das Vertrauen in die neuen Technologien deutlich geschwunden. Die Entwicklung ist eine Wellenbewegung, wie Daniel Voelsen erklärt. An der in Berlin ansässigen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) befasst er sich unter anderem mit der Rolle des Digitalen in der internationalen Politik. "In den 1990er Jahren war die Euphorie zu spüren, dass das Internet die Demokratie beleben könnte - und ihren Höhepunkt erlebte sie in den sogenannten Twitter-Revolutionen", skizziert der Politikwissenschafter. Wobei bei den Umstürzen und Protesten in der arabischen Welt die Bedeutung Sozialer Medien dafür leicht überschätzt werden kann: Diese waren in der öffentlichen Wahrnehmung zwar sehr präsent, doch wird der gesellschaftliche Nährboden für die Unzufriedenheit der Menschen in dieser Betrachtung vernachlässigt.

Das sieht Voelsen für die gesamte Debatte über den Einfluss von Online-Plattformen so: "Wir reden oft über die Technik, aber die ist nur an der Oberfläche. Darunter liegen tiefer gehende gesellschaftliche Entwicklungen oder Konflikte, die immer schon über Medien ausgetragen wurden." Vielleicht hätten also Zeitungen und Radio zu ähnlichen Effekten geführt wie YouTube und Twitter.

Gezielt fehlinformiert
Aber schon allein wegen ihrer Reichweite rücken die Sozialen Netzwerke in den Fokus - und so wie sie manche auf der Welle der Euphorie zu Verstärkern der Demokratie verklärten, so sehen sie andere nun als deren Bedrohung. In die Zwischenzeit fallen die Enthüllungen Edward Snowdens über das Ausmaß der Überwachungsaktivitäten von Geheimdiensten, Berichte über Datenlecks und Hackerangriffe, vor allem an Russland gerichtete Vorwürfe massiver Einmischung in Wahlen, der Skandal um das Unternehmen Cambridge Analytica, das von Facebook gekaufte Daten für gezielt gestreute Fehlinformationen und damit den Versuch einer Wählerbeeinflussung nutzte. Hinzu kommen die Aktivitäten von Politikern selbst - angefangen von rechtspopulistischen Fraktionen, die das Internet für ihre Zwecke intensiver zu nutzen scheinen als Gruppierungen auf der linken Seite des politischen Spektrums, bis hin zu US-Präsident Donald Trump, für den im Wahlkampf Facebook und Twitter wichtige Kampagnenmittel waren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-31 18:20:45
Letzte Änderung am 2019-02-01 12:07:32



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