Für die soziale Krankenversicherung in Österreich stehen die Patientinnen und Patienten stets im Mittelpunkt. So hat sie als eine der Ersten europaweit die im Jahr 2014 neu auf den Markt gekommenen Medikamente zur Therapie der Hepatits-C insbesondere für jene Patientinnen und Patienten, die besonders von der Behandlung profitieren, übernommen. Bei Kosten von fünf- bis zu sechsstelligen Eurobeträgen pro Therapiezyklus hat z.B. die WGKK 2014 rund 20 Millionen Euro inkl. USt für diese Behandlungen zur Verfügung gestellt.

Müsste die Einnahmenstruktur nicht geändert und der Finanzierungsbedarf neu angesetzt werden, damit die Wiener Gebietskrankenkasse den offensichtlich gestiegenen Anforderungen nachkommen kann?

Bei dieser Frage darf man die Ausgaben nicht außer Acht lassen. Die WGKK ist nämlich nicht nur auf der Einnahmen-, sondern auch auf der Ausgabenseite stark belastet.

Bei Einnahmen und Ausgaben spielen Faktoren der Versichertengemeinschaft, wie das Alter und die Berufe der Versicherten, eine große Rolle. So tun sich Krankenkassen in Bundesländern mit einem höheren Beschäftigungswachstum zum Beispiel im Industriebereich leichter, als Krankenkassen in einem Bundesland wo es viele Pensionistinnen und Pensionisten, Arbeitslose oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse gibt.

So stiegen etwa für die OÖGKK die Beitragseinnahmen zwischen 1999 und 2013 um 72,1 Prozent. Die WGKK verzeichnet hingegen nur ein Plus von 55,1 Prozent. Das ist unter anderem an eine sich entwickelte Wirtschaftsstruktur einer Großstadt zurückzuführen. Viele Industrieunternehmen und damit Industriearbeitsplätze siedeln aus der Bundeshauptstadt in ländlichere Produktionsgebiete ab, während andere Bereiche, wie der Handel oder der Dienstleistungsbereich, aufgrund des Bevölkerungswachstums in der Großstadt, im Steigen begriffen sind. Gerade in diesen Bereich ist jedoch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten sehr hoch.

Auf der Ausgabenseite hängen viele Kosten von der Anzahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zusammen - und in Österreich - speziell in Wien - gibt es nun einmal viele Ärztinnen und Ärzte, die Verträge mit den Gebietskrankenkassen haben.

Zu betonen ist bei der Frage auch, dass unser Gesundheitssystem solidarisch aufgebaut ist. Jede Versicherte bzw. jeder Versicherter wendet von ihrem/seinem Einkommen einen gewissen Prozentsatz für die Sozialversicherung auf. Eine Kassiererin im Supermarkt wird daher weniger Geld einzahlen als ein Abteilungsleiter eines Industrieunternehmens. Im Krankheitsfall bekommen aber beide dieselbe Leistung - so wird Krankheit nicht zur Kostenfalle, wie es in anderen Ländern der Fall ist.

Welche kurz–, mittel– und langfristigen Maßnahmen wären aus der Sicht der WGKK nötig, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kasse zu sichern und dem gestiegenen bzw. veränderten Bedarf anzupassen?

Zur Sicherstellung der nachhaltigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems und der Krankenversicherungsleistungen in Wien müssen sowohl einnahmen- als auch ausgabenseitig Konsolidierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dabei muss der objektive Bedarf der Bevölkerung nach Gesundheitsleistungen durch ein optimales Angebot gedeckt werden.