Ist die Entwicklung nur in Wien auffällig, oder in ganz Österreich?

Wir haben uns die Unterschiede zwischen Stadt und Land angesehen. Wie zu erwarten, sind urbane Räume für Wahlärzte besonders attraktiv. Und auch hier ergibt sich die Frage, wie versorgungswirksam der Sektor eigentlich ist. Viele Wahlärzte sind auch angestellt tätig, etwa in Spitälern. Diese Ärzte sind dann natürlich nicht so versorgungswirksam wie der Kassenarzt nebenan. Die Entwicklung an sich muss man aber gesundheitspolitisch gut im Auge behalten. Und sie deutet darauf hin, dass wir Strukturänderungen im Gesundheitswesen brauchen.

Wie behält eine Statistikerin die Wahlärzte im Auge?

Wenn wir Analysen machen, richten wir unseren Fokus immer auch auf diese Gruppe, einfach weil sie für die Gesundheitsversorgung relevant ist. Und es ist uns ein Anliegen, die Informationsqualität im Wahlarzt-Bereich zu verbessern. Uns stehen nur sehr eingeschränkt Informationen zur Verfügung, und deshalb sind Aussagen eher spekulativ. Es geht uns nicht um eine Ausweitung von Dokumentationspflichten, wir würden nur gerne mehr von den Daten nützen, die ohnehin vorhanden  sind.

Die Ärztekammer verlangt für Wien 300 Kassenverträge mehr. Liegt sie mit dieser Forderung richtig?

Globalaussagen vernebeln die Debatte eher, als dass sie sie erhellen. Wenn ich jetzt noch erfahren könnte, in welchen Fachrichtungen diese 300 zusätzlichen Ärzte benötigt werden, dann kämen wir der Sache schon näher.

Aus meiner privaten Bedarfsanalyse auf der Basis einer unausgewogenen Grundgesamtheit: Gynäkologie, Orthopädie, Augenärzte?

Subjektive Eindrücke bringen es mit sich, dass sie sehr unterschiedlich ausfallen. Auf einer wissenschaftlichen Grundlage eine objektive Aussage zu treffen ist so leider nicht möglich. Es gibt bereits Planungsrichtwerte für den ambulanten Bereich, aber eine morbiditätsbasierte Versorgungsforschung ist generell erst im Aufbau. Natürlich kann man schon jetzt jeweils regional angepasste Bandbreiten definieren, die Hinweise darauf geben, ob die Versorgung überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich ist. Daraus lässt sich folgern, dass wir uns in Wien hinsichtlich der Versorgungsdichte immer noch innerhalb der Bandbreite  bewegen. Dazu kommt, dass die tatsächliche Inanspruchnahme alleine - jemand geht zum Arzt - nicht immer mit einem tatsächlichen medizinischen Bedarf gleichzusetzen ist.