Wien. Am Dienstag lehnte die Kurie der Wiener Ärztekammer das vor Ostern beschlossene Gehaltsmodell für den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) sowie die Teileinigung mit Stadt und Gewerkschaft ab. Eine Einigung gab es bei den Arbeitsbedingungen und -zeiten. Die Kammer will aber ein Gesamtpaket. Am Montag soll weiter verhandelt werden. Die Eckpfeiler der vorangegangenen Verhandlungen der drei Streitparteien liegen der "Wiener Zeitung" vor.

Bleibt es bei den Personaleinsparungen?

Die Einsparungen werden beibehalten. Aber bei den Gesprächen zwischen Stadt, Gewerkschaft und Ärztekammer wurde noch einmal klargestellt, dass es nur zu der umstrittenen Reduzierung des Personalstands um 382 Vollzeitstellen kommt, wenn begleitend entsprechende Strukturmaßnahmen ergriffen werden. Nachtdienste werden also nur dort reduziert, wo es möglich ist. Kündigungen seien nicht geplant. Kommt es trotz Maßnahmen zu Engpässen in Abteilungen, wird der Personalstand entsprechend erhöht. Laut Ärztekammer wird es in manchen Abteilungen zu einer Personalaufstockung kommen müssen.

Wie errechnen sich die 382 Stellen?

Die 382 Stellen wurden durch eine Reduktion der Nachtdienste errechnet, wenn die Hauptarbeit am Nachmittag stattfindet. Der Personalbedarf soll dadurch sinken und es sollen 47 Millionen Euro durch Umschichtungen frei werden. Nach einer Evaluierung der Bereiche und Nachtdienste sollen die Stellen bis 2018 eingespart werden. Dabei werden Dienstverträge nicht verlängert, Stellen nicht nachbesetzt und die Aufnahme von Turnusärzten wird reduziert. Die Personalbedarfsrechnung wird auf Basis einer 40-Stunden-Woche gerechnet.

Konkret geht man von einer Reduktion des Leistungsaufkommens in den Abteilungen nach 20 Uhr aus. Für die Entlastung braucht es laut Protokoll etwa eine fachliche Schwerpunktsetzung in der Akutversorgung in der Nacht, eine Vermeidung von medizinisch nicht notwendigen Rettungszufahrten (Ausbau Ärztefunkdienst) und eine zielgerichtete Leitung des Patienten in zentrale Notaufnahmestellen.

Ist die Patientenversorgung gesichert?

Wegen des Durchrechnungszeitraums von 17 Wochen wird in den Spitälern ab Mai mit Engpässen in der Versorgung gerechnet. Deswegen haben sich die Streitparteien darauf geeinigt, einen finanziellen Anreiz für die Ärzte in schwächer besetzten Abteilungen zu schaffen. Dafür sollen die Ärzte in diesen Abteilungen eine Einverständniserklärung unterschreiben und in den Monaten Mai und Juni länger arbeiten. Bis Ende April wird ein Modell ausgearbeitet. Ab Juli möchte man die 48-Stunden-Woche einhalten.