• vom 23.05.2018, 18:01 Uhr

Datenschutz

Update: 23.05.2018, 18:09 Uhr

EU

"Daten sind das neue Gold"




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  • Bei den Betrieben läuft der Countdown zur Datenschutz-Grundverordnung der EU.

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Wien. (kle) Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist ab Freitag nach zwei Jahren Übergangsfrist voll wirksam. Sie soll den Umgang mit personenbezogenen Daten europaweit schärfer regeln. Kaum ein EU-Gesetz hat zuletzt wegen der Komplexität der Thematik für so viel Wirbel gesorgt. Der Innsbrucker Digitalisierungsfachmann Dieter Duftner ortet jedenfalls große Verunsicherung: "Daten sind das neue Gold. Angst vor horrenden Bußgeldern herrscht bei Weltkonzernen, aber auch unter Bloggern, kleinen Firmen und Vereinen." Online bietet er nun Last-Minute-Hilfe an - über das zu seinem Unternehmensverbund "duftner.digital" gehörende Institute of Microtraining, das unter anderem digitale Lernmedien einsetzt.

Duftner rechnet damit, dass die DSGVO zunächst einmal "eine begrenzte Anzahl prominenter Unternehmen treffen wird, an denen sich Anwälte, Datenschutzexperten und dann Gerichte abarbeiten werden". Die Taktik, abzuwarten und zu hoffen, dass man nicht erwischt wird, sei der falsche Ansatz. "Horrende Strafen drohen - und die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist groß", betont Duftner. "Die Datenschutzbehörde kann die Unternehmen jederzeit auffordern, ihre Verzeichnisse abzuliefern, oder sie können angezeigt werden."


In der heimischen Wirtschaft scheint die DSGVO freilich ohnehin nicht auf Ignoranz gestoßen zu sein: "Die Firmen nehmen das sehr ernst", sagt René Bogendorfer, stellvertretender Geschäftsführer der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Zuletzt habe es wöchentlich 500 bis 700 Anfragen von Unternehmen pro Landeskammer gegeben - ebenso viele auch in der WKÖ. Daneben habe die Wirtschaftskammer von Jänner bis jetzt rund zwei Millionen Aufrufe bei den Info-Tools auf ihrer Homepage registriert.

Gelbe Karte bei Mini-Verstößen
Zum jüngsten Stand der DSGVO-Implementierung hat die WKÖ allerdings keine Umfrage unter den Betrieben durchgeführt. Die Unternehmen würden ihr Möglichstes tun, um bis 25. Mai "DSGVO-compliant" zu sein, heißt es. Indes macht die Kammer jenen Betrieben Mut, die mit ihren Adaptierungsarbeiten nicht mehr zeitgerecht fertig werden: "Nicht in Panik geraten, sondern weitermachen, bis man es geschafft hat." Nachsatz: "Auch nach dem 25. Mai geht es weiter." Datenschutz sei ein Compliance-Thema und als solches in einem ständigen Kreislauf, erklärt Bogendorfer.

Dass die DSGVO vom österreichischen Gesetzgeber aufgeweicht worden sei und nun nicht gestraft werde, bezeichnet die WKÖ unterdessen als Mythos. Gestraft werden könne nach wie vor - auch nach den im April beschlossenen Änderungen. "Der Grundsatz ,beraten statt strafen‘ befreit die Betriebe nicht von ihren Verpflichtungen, aber etwaige falsch interpretierte Graubereiche und leichte Versehen können verwarnt werden und müssen nicht gleich mit Geldbußen geahndet werden."

Ebenfalls ein Mythos sei, dass ab 25. Mai alle personenbezogenen Daten gelöscht werden müssen. Personenbezogene Daten dürfen so lange gespeichert werden, als sie im Betrieb benötigt werden; etwa wenn ein Vertrag mit der betroffenen Person noch läuft. "Eine längere Speicherung ist aber natürlich möglich und nötig, wenn gesetzliche Aufbewahrungspflichten dies vorsehen", so die WKÖ. Auch Verjährungsfristen (zwei bis drei Jahre Gewährleistung etwa oder 3 bis 30 Jahre Schadenersatz) seien relevant. Laut WKÖ sollten nur keine "Datenfriedhöfe" mehr geführt werden - das heißt, Daten, die eigentlich nicht mehr benötigt werden, "sicherheitshalber" doch noch aufzubewahren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-23 16:51:57
Letzte Änderung am 2018-05-23 18:09:37


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