David Axmann war Krausianer mit Augenmaß und der nicht bloß nominelle Nachlassverwalter Friedrich Torbergs, dessen militanten Antikommunismus er immer verteidigte: als biographisch begreiflichen Kampf gegen das Totalitäre. Axmann war der Letzte in der großen jüdischen Tradition des Journalismus in Österreich.

Politisch alles andere als konservativ (das Che-Plakat in seiner Wohnung hat mich dann doch verblüfft), war er als Autor eine unzeitgemäße Erscheinung: Mit ihm konnte man um ein Iota streiten, mit ihm konnte man sich über die Anbiederung an das Bundesdeutsche empören, und er fand noch ein Haar in der Textsuppe, wenn alle anderen sie lobten. Seine Gründlichkeit als Lektor war gefürchtet (er betreute meine in der Edition Atelier herausgegebenen Bände von Francisco Tanzer und Walter Buchebner), als unzimperlicher literarischer Geburtshelfer hielt er es ganz mit seinem Lehrer Torberg, auch da Antipode von Wendelin Schmidt-Dengler. Die beiden Lichtgestalten meines Kosmos wollten sich und einander lange nicht eingestehen, dass sie in Wahrheit auf derselben Seite standen: der der Literatur.

Kein Wunder, dass Kollegen, die Axmann nicht die Tinte reichen können und denen bereits der fehlerfreie Bau eines Satzes zu schaffen macht, seine Brillanz nicht zu schätzen wussten: David Axmann wurde nicht adäquat für das gewürdigt, was er konnte und was er war. Wozu er freilich sein Scherflein beitrug, als notorischer Licht-unter-den-Scheffel-Steller.

Er war nicht bloß ein Journalist von stupender Bildung, ein grausam nachsichtiger Rezensent, sondern ein Feuilletonist von Graden, ein Blitzdichter und Verskünstler, vor allem aber ein Schriftsteller, der über jene satirische Phantasie verfügte, die die Parodie oder Camouflage zu einem Stück Literatur macht. Diese Axmannschen Glanzstücke bekam man nach dem Ende des "Wiener Journals" leider kaum noch zu lesen.

Wie traurig, dass alle Sprachmacht der Welt nicht ausreicht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Mir fehlt nicht nur der teilnehmendste und fürsorglichste Freund, sondern auch der Leser. Es tut weh, dass er, was ich schreibe, nicht mehr lesen wird. Zum Beispiel das hier.

Daniela Strigl (Literaturkritikerin und Germanistin)

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In diesen Tagen wollte ich bei den Teilnehmern wie alle Jahre nachfragen, wann wir uns heuer zum traditionellen Treffen der ehemaligen Mitarbeiter des "Wiener Journals" sehen können. Da platzte der "extra"-Chef der "Wiener Zeitung", Gerald Schmickl, übers Telefon herein: David Axmann ist verstorben. Ein Schock, ihn, der seit Jahren zurückgezogen im Burgenland lebte, nicht mehr zu sehen, seine luziden Bemerkungen nicht mehr zu hören und zu lesen oder wenigstens mit ihm eines der Telefongespräche zu führen, bei denen er stets kurz angebunden und ein wenig hektisch war, weil er schon wieder konzentriert an etwas arbeitete.

Der größte Verlust, nicht nur für mich: Er wird nie mehr etwas schreiben, er wird nie mehr an der Herausgabe eines literarischen Buches arbeiten und es durch seinen Feinschliff zum Erfolg machen.

Seine über 20-jährige Mitarbeit am 1980 von Jörg Mauthe gegründeten "Wiener Journal", seine Hunderten pointierten, gescheit-witzigen Beiträge haben diese Monatszeitschrift erst zu dem gemacht, womit sie ihre Leser faszinierte: eine wertkonservative, kritische, scharf urteilende, intellektuell anregende Publikation.

Große Verdienste um die österreichische Literatur erwarb sich Axmann durch die Neuherausgabe der Werke Friedrich Torbergs, vor allem aber durch seine Biographie über diesen Ausnahmeliteraten. In der "Standard"-Besprechung dieses Buches würdigte Daniela Strigl den "Sprachwitz" David Axmanns, eines "der letzten Erben jenes Geistes, der 1938 von der Geistern, die man rief, aus Wien vertrieben wurde".

David Axmann war aber nicht nur Autor zahlreicher Bücher, sondern als Lektor des "Edition Atelier"-Verlags auch erfolgreicher Geburtshelfer von Werken heute - wohl auch dank ihm - bekannter und anerkannter österreichischer Autoren. Ich verliere mit David Axmann einen Freund, der mir in meiner Zeit beim "Wiener Journal" und dann auch bei der "Wiener Zeitung" stets treuer, ideenreicher Mitarbeiter und sprachliches Vorbild war.

Peter Bochskanl (ehemaliger Herausgeber des "Wiener Journal" und Ex-Chefredakteur der "Wiener Zeitung")

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Physisch bin ich David Axmann zum letzten Mal vor drei Jahren begegnet; es war bei einer Buchpräsentation des ihm in vieler Hinsicht geistesverwandten Wien-Berliner Schriftstellers Stefan Grossmann. Noch um einiges länger ist es her, dass wir miteinander korrespondiert haben. Axmann hatte mich damals, wiewohl mittlerweile Nichtraucher, mit seinem Bekenntnis entzückt, seine Raucherzeit zwischen 20 und 50 seien die glücklichsten Jahre seines Lebens gewesen. Waren die folgenden also unglückliche Jahre für ihn? Ich will es nicht hoffen. Seinen Feuilletons, Essays und Rezensionen war jedenfalls nichts dergleichen anzumerken: Sie waren ("extra" sei Dank!) lebenszugewandt und blitzgescheit, sprachverliebt und pointensicher wie eh und je. Eines der Bücher von Friedrich Torberg, dessen Biographie Axmann geschrieben und dessen Nachlass er betreut hat, hieß "Auch Nichtraucher müssen sterben". Eine Binsenwahrheit. Doch auch Binsenwahrheiten können erschüttern und schmerzen - zumal dann, wenn sie zu einem Menschen in Beziehung treten, den man so sehr bewundert und verehrt hat wie David Axmann.

Dietmar Grieser (Autor)