Türkische Soldaten mit gefangenen Frauen und Kindern während des Dersim-Aufstandes.
Türkische Soldaten mit gefangenen Frauen und Kindern während des Dersim-Aufstandes.

An seine Stelle trat nach dem griechisch-türkischen Krieg, zu dem die Briten die von der "großen Idee" (der Staatsvergrößerung) begeisterten Griechen ermutigt hatten, am 24. Juli 1923 der Vertrag von Lausanne. Der siegreichen Türkei wurde darin Ost- und Südostanatolien, Ostthrakien und Smyrna zugeschlagen.
In dem Vertragswerk sind explizite Minderheitenrechte vorgesehen (s. Kasten), die Minderheiten (Kurden, Griechen, Armenier, Juden, Roma, Aramäer...) werden jedoch nicht namentlich erwähnt.

Mustafa Kemal, der zunächst bei den kurdischen Stammesführern um Unterstützung geworben und einen gemeinsamen Staat aller Ethnien im Gebiet des nationalen Vierecks versprochen, verfolgte nun einen nationaltürkischen Kurs. Seine Ziel war ein Staat mit einer Nation, einer Sprache, einer Identität. 1924 wurde dementsprechend die Verwendung des Kurdischen in der Öffentlichkeit verboten.

Türkisierung und Aufstände ab 1925

Im Februar 1925 kam es zum kurdisch-religiösen Scheich-Said-Aufstand. Kemal nutzte die Erhebung, um mit großer Härte jeglicher kurdischer Opposition die militärische Überlegenheit des Staates vorzuführen.

1927 wurde die internationale kurdische Bewegung Xoybûn gegründet, die bis 1946 bestand und als Ziel ein unabhängiges Kurdistan anstrebte.

Die Einschüchterung war nicht von Dauer. Weitere Erhebungen wie die Ararat-Aufstände (1926-1930) und der Dêrsim-Aufstand (1937/38) folgten und wurden von der türkischen Armee niedergeschlagen. Zahlreiche Dörfer wurden zerstört, die Bewohner ermordet oder deportiert. In einer Entschuldigung der Regierung von 2011 ist die Rede von 13.806 Todesopfern.
Aufgrund der Ararat-Aufstände kam es zu einem Abkommen zwischen der Türkei und dem Iran, um das Vorgehen gegen den kurdischen Widerstand zu koordinieren. 1937 wurde im Abkommen von Saadabad der Kreis der Staaten erweitert.Durch die Einbeziehung des Irak und Afghanistans sollen aufständischen Kurden die Wege zu Rückzugsgebieten abgeschnitten werden.

Die Türkisierung wurde in der Folge mit neuen Ortsbezeichnungen und Nachnamen sowie der Ansiedlung national gesinnter Türken vorangetrieben. In mehreren Wellen wurden die Namen von mehr als 12.000 Siedlungen geändert, wenn sie nicht-türkischen Ursprungs waren. Die nur im Kurdischen vorkommenden Buchstaben Q, X und W wurden bereits 1928 verboten.

Parallel wurden hunderttausende Kurden zwangsweise nach West- und Zentralanatolien umgesiedelt.

1930 erklärte Innenminister Mahmut Esat Bozkurt: "Der Türke ist der einzige Herr, der einzige Meister dieses Landes. Diejenigen, welche nicht reinen türkischen Ursprungs sind, haben nur ein Recht in diesem Lande: Das Recht Knecht zu sein, das Recht Sklave zu sein, der einzige Meister dieses Landes. Diejenigen, welche nicht reinen türkischen Ursprungs sind, haben nur ein Recht in diesem Lande: Das Recht Knecht zu sein, das Recht Sklave zu sein."