Immovate-Chef Kurschel hat ein Faible für historische Bausubstanz.
Immovate-Chef Kurschel hat ein Faible für historische Bausubstanz.

Wien. Eigentlich legt man beim Grazer Immobilienentwickler Immovate wenig Wert darauf, in die Schlagzeilen zu geraten. Spätestens nachdem der Spezialist für denkmalgeschützte Gebäude vor wenigen Tagen zwei prominente Wiener Immobilien des kroatischen Ex-Generals Vladimir Zagorec erworben hat - und ganz nebenbei die Kärntner Hypo als dessen Kreditgeberin damit von einem potenziellen Millionen-Problem befreite -, ließ sich das aber nicht mehr vermeiden.

"Wir haben nicht erwartet, dass das so einen Wind macht", meint Immovate-Chef Martin Kurschel im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Tatsächlich sind die ehemalige Post- und Telegrafenzentrale am Börseplatz und das frühere Kinderwohnheim auf der Hohen Warte nicht die einzigen namhaften Zukäufe im heurigen Jahr. Nicht zuletzt aufgrund eines Immobilienpakets, das Immovate vom Entwickler Conwert übernommen hat, bauen die Grazer ihr Portfolio in Wien um 9 Objekte mit insgesamt - konservativ geschätzt - 80.000 Quadratmetern Fläche aus.

Architekt gesucht


Auch wenn sich Kurschel zu Beginn der Projektentwicklung gerne alle Optionen offenhält, ist eines für ihn bereits klar: Obwohl es immer wieder Interessenten aus diesem Bereich gegeben hat, komme für das Objekt am Börseplatz - trotz bester Innenstadtlage - kein Hotel in Frage. "Das Haus soll in seiner Schönheit und Großzügigkeit erhalten bleiben", erklärt der Immovate-Chef. Man habe jetzt einen Architektenwettbewerb gestartet. Möglicherweise werde man - in Abstimmung mit dem Denkmalamt - den Dachbereich neu gestalten. Dort sei dann auch eine Wohnnutzung denkbar.

Auch für das Gebäude auf der Hohen Warte - mit zwei Hektar Grund rundherum - gebe es mehrere Überlegungen. Neben einem Wohnbau sei etwa eine "gehobene Unterbringungsmöglichkeit für ältere Mitbürger" möglich.
Kurschel denkt dabei an Generationen übergreifendes Zusammenleben - etwa mit Wohnungen für Senioren und einem Kindergarten auf demselben Grundstück.

"Wir sind nicht auf das schnelle Geschäft aus", betont der Immovate-Chef. Ziel sei es, historische Bausubstanz "mit moderner Bauphysik" zu verbinden und die Objekte langfristig zu vermieten. In manchen Fällen wäre ein Verkauf nach erfolgter Sanierung allerdings auch nicht ausgeschlossen.

Was die bezahlten Kaufpreise anbelangt, hüllt sich Kurschel in Schweigen. Branchenkenner beziffern die Zagorec-Immobilien mit rund 50 Millionen Euro, das Conwert-Paket - dazu gehören unter anderem 32.000 Quadratmeter einer Immobilie am Fleischmarkt - mit mehr als 100 Millionen Euro.

AWS-Fonds an Bord


Für die Sanierung der Gebäude rechnet Kurschel mit einem Volumen im dreistelligen Millionen-Bereich. "Die Mittel stehen abrufbereit zur Verfügung", so der Immovate-Chef. Die Entwicklungsdauer bis zum tatsächlichen Baubeginn betrage - je nach Objekt - 12 bis 36 Monate. Eigentümer der heuer gekauften Immobilien sind mit je 50 Prozent Kurschel sowie der steirische Stahlindustrielle Herbert Buhl (Breitenfeld AG). Davon losgelöst übernehmen mehrere operative Immovate-Gesellschaften Projektentwicklung und Umsetzung. Bei diesen operativen Gesellschaften hat Kurschel vor kurzem einen prominenten Miteigentümer erhalten: Im Oktober hat sich der AWS-Mittelstandsfonds beim Denkmalschutzspezialisten beteiligt. Der Umsatz der operativen Gruppe lag 2010 bei rund 20 Millionen Euro. Seit der Gründung im Jahr 2005 hat Immovate laut AWS jedes Jahr profitabel gewirtschaftet.

Der Kärntner Hypo gibt der Verkauf der Zagorec-Immobilien jedenfalls Grund zum Durchatmen: Das Kreditvolumen für diese Projekte - die wegen einer Gefängnisstrafe des Ex-Generals in Kroatien bisher nicht fertiggestellt wurden - soll sich auf mehr als 40 Millionen Euro belaufen haben. Die neuen Eigentümer haben diese Finanzierungen abgedeckt, die Hypo hat - laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen - "keinen Cent" verloren.

Geldsegen aus Liechtenstein


Unabhängig davon hat es die Hypo geschafft, sich mit Zagorec auf die Rücküberweisung von 16 Millionen Euro zu einigen, die sich auf Liechtenstein-Konten des Ex-Generals befanden. Laut seiner Anwältin stammt das Geld aus Hypo-Krediten für Projekte in Kroatien, die letztlich nicht realisiert werden konnten.