Es geht um die menschengerechte Gestaltung zukünftiger Systeme. Damit es nicht dazu kommt, wovor Tim Berner-Lee, der Begründer des World Wide Web, 2017 im "The Guardian" gewarnt hat: Nämlich dass das System scheitert (The System is failing). Seine Warnung rief weltweit zahlreiche Wissenschafter auf den Plan, um für eine Entwicklung der digitalen Technologie und Technik einzutreten, welche die Werte und Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Ein Roboter trifft "seine" Wahl. - © APAweb / AFP, GUILLOT
Ein Roboter trifft "seine" Wahl. - © APAweb / AFP, GUILLOT

Im Vorjahr unterzeichneten zahlreiche Forscher und Pioniere der Computerwissenschaften sowie Wissenschafter aus Bereichen wie Psychologie, Philosophie oder Soziologie das Wiener Manifest zum Digitalen Humanismus. Sie wollen damit die technologischen Entwicklungen von einer anderen Seite angehen, nicht von einer pessimistischen, sondern die Potentiale herauszustreichen, sagt Hannes Werther, Professor an der TU Wien und Co-Initiator des Wiener Manifests, der "Wiener Zeitung". Denn wie alle Technologien entstehen auch die digitalen nicht aus dem Nichts. "Sie sind durch implizite und explizite Entscheidungen geprägt und beinhalten Werte, Normen, wirtschaftliche Interessen und Annahmen darüber, wie die Welt ist oder sein sollte", wurde in dem Schriftstück festgehalten.

Der Rückgriff auf die Ideale des Humanismus unterstreicht diese Ziele. Denn eine solche positive Entwicklung könne nur mithilfe von Geisteswissenschaften oder Philosophie geschehen. Suchmaschinen etwa wären ohne Kenntnisse aus der Linguistik nicht denkbar. Aber auch Kultur und Kunst sollte man miteinbeziehen, so Werthner.

Kreativität sei gefragt, dass das Manifest mit der Ortsangabe Wien versehen wurde, sei kein Zufall. Denn durch die wissenschaftliche Tradition und Geschichte sei Wien ideal, eben nicht nur aufgrund seiner Tradition im Bereich der Mathematik und Logik.