Der Computer macht nicht, was er will, sondern Menschen programmieren Maschinen, damit diese machen, was die Menschen wollen. Allerdings werden Maschinen zunehmend Eigenschaften zugeschrieben, die eigentlich gewissen lebenden Organismen vorbehalten sind.

Der humanoide Roboter Sophia am Laufsteg in Kalkutta. - © APAweb / AFP, SARKAR
Der humanoide Roboter Sophia am Laufsteg in Kalkutta. - © APAweb / AFP, SARKAR

Roboter können plötzlich denken, Softwares entscheiden sich oder Computer peilen Ziele an. Und so mancher Mensch spricht gerne mit seinem Laptop, er möge doch bitte so nett sein und wieder funktionieren. Dabei weiß man seit Freud, dass Animismus  eng verbunden ist mit der Weigerung, erwachsen zu werden, dass er auf Allmachtsphantasien hinweist.

Der Mensch habe lange gebraucht, sich von der Vorstellung vom Beseelten des Nicht-Beseelten zu verabschieden, nun sei man wieder auf dem Weg zurück, spitzt der deutsche Philosoph und Physiker Julian Nida-Rümelin bei seinem Vortrag  in der Vorlesungsreihe "DIGHUM Lectures" die aktuellen digitalen Entwicklungen und Diksurse darüber zu. Er begründet diese mit der zentralen Stellung, welche die sogenannten "Starken KI" in Forschung, Entwicklung und Wirtschaft einnimmt. "Starke KI" bedeutet, dass es keinen Unterschied gibt zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz, zwischen menschlichem Fühlen, Denken und Handeln zum einen, und den von Software gesteuerten Algorithmen zum anderen.

Als ob

"Wenn wir softwaregesteuerte Algorithmen entwicklen, die sich so verhalten, als ob sie handeln würden, als ob sie einen Ratschlag geben würden oder als ob sie empathisch wären, kann man leicht nachvollziehen, dass wir in diese Systeme auch Empathie oder Evaluation interpretieren. Solange wir diese Sprache metaphorisch verwenden, ist das ok. Wenn nicht, sind wir in der Falle des des Animismus getappt", so Nida-Rümelin. Als Gegenpol zu dem mechanischen Menschbild greift er auf die Ideal und Werte des Humanismus zurück und betont: "Es gibt keine starke KI". Mensch und softwaregesteuerte Systeme sind unterscheidbar.


Ausgehend von einer kleinen Ideengeschichte des Humanismus zeigt Rümelin in seinem Vortrag weiters, inwieweit es möglich ist, die humanistischen Ideale und Werte auch im Zeitalter der Digitalisierung wiederzubeleben bzw. aufrechtzuerhalten. Auch dahingehend, dass digitale Systeme den Menschen unterstützen können, neue Spielräume zu schaffen, mehr Zeit zu haben, auch um neue Formen der Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung zu finden und pflegen.

Nida-Rümelin bei seinem Vortrag über die Eckpfeiler des digitalen Humanismus. - © screenshot zoom
Nida-Rümelin bei seinem Vortrag über die Eckpfeiler des digitalen Humanismus. - © screenshot zoom