Am Podium: Anita Eichinger (Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus), Erich Prem (Informatiker und Philosoph), Veronica Kaup-Hasler (Amtsführende Stadträtin für Wissenschaft und Kultur) und Hannes Werthner, emeritierter Universitätsprofessor für E-Commerce an der TU Wien. 

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Am Podium: Anita Eichinger (Direktorin der Wienbibliothek im Rathaus), Erich Prem (Informatiker und Philosoph), Veronica Kaup-Hasler (Amtsführende Stadträtin für Wissenschaft und Kultur) und Hannes Werthner, emeritierter Universitätsprofessor für E-Commerce an der TU Wien.

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Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Wird gerade die letzte Frage von Immanuel Kant bald von einer lernfähigen Maschine beantworten? Die digitale Transformation fordert von uns Menschen, diese Antworten einzubringen. Wie eine solche aussehen könnte, darüber wurde in der Wienbibliothek im Wiener Rathaus diskutiert. "Wir müssen viel aktiver werden, um diese Entwicklung mitzugestalten. Das geht nur mit viel Forschung", sagt Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Wissenschaft und Kultur. Die öffentliche Hand sei hier gefragt. Auch müsse man den Menschen die Angst nehmen, wie etwa die Angst davor, durch die Technologisierung Persönlichkeitsrechte zu verlieren. "Es fehlen ethische Leitlinien, auch gesetzliche, und Tools dafür", so die Stadträtin.

Digitaler Humanismus ist politisch, betont weiters Hannes Werthner, emeritierter Universitätsprofessor für E-Commerce an der TU Wien. "Die Technologie ist eine politische Frage und eine gesellschaftliche" sagt er. Wer entscheidet: die Künstliche Intelligenz oder der Mensch? Es gehe nicht nur um die Verwendung der Technologie, sondern um die Machtfrage, auch in der Gestaltung und nicht nur in der Verteidigung der Rechte. Das betreffe Fragen der Arbeiterrechte ebenso wie Fragen zur weltweiten Arbeitsteilung oder den Entwicklungen Richtung Neokolonialismus - Abhängigkeiten von einigen wenigen Unternehmen nehme zu. Es gehe daher um Souveränität und um Macht. Wer hat die Daten? "Amazon ist es egal, was Sie suchen. Google ist es egal, was Sie suchen. Es geht um die Informationen per se."

 

Wie könnten wir als Menschheit eine Transformation Richtung digitalen Humanismus vorantreiben und mitgestalten? Das vertrackte an der Technologie sei, so der Informatiker und Philosoph Erich Prem, dass sie kleiner aussehe als sie wirklich sei. "Sie hat die Eigenschaft, ganz klein in unser Leben einzudringen und unbemerkt ganz wichtig zu werden." Man denke nur an das Telefon, mit dem wir mittlerweile überwacht und getrackt werden. Und bald steigen wir in Autos, die ebenfalls Daten weitergeben. Prem: "Wer glaubt, dass diese Änderungen bloß technische Werkzeuge sind, der irrt". Es beeinflusst unser Leben und unser Sein, und womit wir uns umgeben.

Welche Lösungen könnte es geben? Die Übersetzbarkeit sei ein wichtiger Schritt. Erich Prem appelliert hierbei an die Kreativen: Kunst könne dieses Thema nicht nur rational, sondern auch emotional präsentieren, Fragen stellen oder experimentieren. Es gehe einerseits um Popularisierung und andererseits um das Eindringen in die Entscheidungsmechanismen, ergänzt Werthner. Und die Auseinandersetzung mit dem Thema dürfe nicht auf der Ebene der Wissenschaft stehen bleiben. Es brauche Vermittlung.

- © Wienbibliothek im Rathaus
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Die Politik müsse zur fachübergreifenden Auseinandersetzung animieren und große Projekte fördern, die interdisziplinär arbeiten, betont wiederum Kaup-Hasler. Außerdem würden Grundlagen für ein Institut des Digitalen Humanismus in Wien erarbeitet - als europäische Gegenkraft. Und Bedeutung, die Vermittlung von Wissenschaft zu fördern, die betonte sie am Ende der Veranstaltung erneut. (red)