Sie dreht an ihren Knöpfen, reißt, zieht und zupft an den Steckern und Kabeln, schiebt an den Reglern, und dabei singt, schnauft und tanzt sie auch noch. Klingt nicht weiter aufregend und außergewöhnlich, sofern man nicht sieht, dass die Geräteaccessoires und Stromgeber nicht brav auf einem Tisch liegen, sondern Teil eines raffiniert geschneiderten, annähernd hautfarbenen und matten silikonisiert und durchsichtigen Kleides sind, die den Körper der Monsterfrau zieren. Und diese Cyborg tanzt, singt, kreiert Lärm und schnauft nicht einfach, sondern fegt auch durch den Raum, in ihrem Kampf gegen den babylonischen Gott Marduk, der als Wegbereiter für die monotheistischen Religionen gilt und in der Metalszene gern als heldenhaftes Vorbild gefeiert wird.

Hinter Monsterfrau verbirgt sich die Performancekünstlerin Lena Wicke-Aengenheyster, die am zweiten Donaufestival-Donnerstag die kleine Halle Drei der Festivalräumlichkeiten beschallte und deren BesucherInnen damit verzückte und erstaunte. Denn in der Schlacht ihrer Kunstfigur um die "absolute Herrschaft" erzeugte sie gemeinsam mit dem Experimentalmusiker Sascha Neudeck und der bildenden Künstlerin Patrizia Ruthensteiner eindringliche elektronische Lärmteppiche, die sich in den intensiven Tanz und Gesang der Monsterfrau bestens einfügten. Die Koproduktion von Donaufestival und STAATSAFFAIRE zählt wohl zu einem der Höhepunkte des Festivals.

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Barocker Bombast

Aber dies sollte nicht der letzte gute Streich jenes Abends gewesen sein:  Manorexia, eines der vielen Alter Egos des Industrial-Pioniers J.G. Thirlwell, führte samt Orchester eine Auswahl seiner barock-bombastischen Kammermusik vor, das Duo Zoviet France wiederum sorgten wenig später für elektro-akustisches Wummern samt Flötenspiel.

Detailaufnahme der aktuellen Monsterfraubekleidung. - © donaufestival.at
Detailaufnahme der aktuellen Monsterfraubekleidung. - © donaufestival.at

Und so schnell wie der Abend begann, nämlich im Klangraum mit dem kurzweiligen Aufritt von Post-Punk-Altvater Marc Stewart mit Russel Haswell und Mika Vainio, so war er auch schon wieder vorbei: mit den US- Hardcore-Klassikern Girls Against Boys, die zum Schluss noch Schützenhilfe von einem wie es schien bereits sehr lustig gestimmten David Yow bekamen - aber auch gemeinsam gegen den schlechten Sound der Stadthalle nichts ausrichten konnten.

Schade nur, dass für diesen sorgfältig kuratierten Abend sich nicht mehr Leute nach Krems aufgemacht haben. KünstlerInnen und MusikerInnen dieser Klasse und Historie auf einem Fleck zu haben wie an jenem Abend ist in Österreich ja nicht gerade oft der Fall.