Wien. "Europaverträge sind perfekt", stand in der "Wiener Zeitung" vom 26. März 1957 zu lesen. Der Bericht, der sich am Tag nach der Unterzeichnung der römischen Verträge auf der Titelseite der Zeitung fand, war schnörkellos und in sachlichem Agenturdeutsch abgefasst: "Auf dem Kapitol in Rom wurden heute Abend die Verträge über die Einrichtung eines gemeinsamen Markes und über die Gründung von Euratom durch die Länder der Montanunion unterzeichnet."

Damit war der Grundstein für die Europäische Union gelegt, der auf dem Fundament des Vertrags über die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vom 18. April 1951 aufbaute, der einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl etablierte.

Knapp 12 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der den Kontinent in Schutt und Asche gelegt hatte, war in der Präambel des Vertrags von Rom nun die Rede von "festen Willen, die Grundlagen für einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker zu schaffen", von der Entschlossenheit, "durch gemeinsames Handeln den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ihrer Länder zu sichern, indem sie die Europa trennenden Schranken beseitigen" und dem "Vorsatz, die stetige Besserung der Lebens- und Beschäftigungsbedingungen ihrer Völker als wesentliches Ziel anzustreben".

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Der Kontinent sollte nie wieder in den Abgrund stürzen. Und so entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Geflecht aus völkerrechtlichen Vertragswerken, mit denen die Europäische Union Schritt für Schritt weiterentwickelt werden sollte. Doch die Ziele wurden bescheidener, die Poesie der Präambel des Vertrags von Rom wich der Prosa der Einheitlichen Europäischen Akte, und der Verträge  von Maastricht, Amsterdam, Nizza und Lissabon.

Die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der Europäischen Union in Kürze: 

9. Mai 1950: Frankreichs Außenminister Robert Schuman schlägt – basierend auf der Idee des Unternehmers Jean Monnet – vor, den Kohle- und Stahlsektor Frankreichs und Westdeutschlands zusammenzuschließen. Seither ist der 9. Mai der "Europatag".

April 1951: Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg gründen mit dem Pariser Vertrag die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).

1. Jänner 1958: Die Römischen Verträge über Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) treten in Kraft.