Eine akademische Konferenz auf der kalifornischen Eliteuniversität Berkeley in einem Land vor unserer Zeit, sprich vier Jahre vor dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Das Thema lautet: "Die Zukunft des Euro" – zweieinhalb Tage lang reden eine Auswahl der renommiertesten Geschichts- und Wirtschaftswissenschafter der USA darüber, wie sie Europa im Allgemeinen und die Gemeinschaftswährung im Besonderen sehen. Ein harmloses Thema, denken sich die Besucher, von denen sich schnell viele – manche freiwillig, manche unfreiwillig – als gelernte Europäer herausstellen; in dem Sinn, dass sie schon nach einer Handvoll Vorträge merken, dass sie es nicht mehr gewohnt sind, bestimmte Sachverhalte grundsätzlich zu hinterfragen. Wohlgemerkt: 2013 ist noch keine Rede vom Brexit, Polen und Ungarn sind noch Demokratien, die diesen Namen verdienen, und das Sorgenkind der Eurozone heißt nicht Italien, sondern Griechenland.

So ist auch die allgemeine Verwunderung erklärbar, als die US-Historiker und -Ökonomen ans Eingemachte gehen. Einer der Ersteren will errechnet haben, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten im Schnitt alle 30 Jahre eine Armee in die eine oder andere Richtung den Rhein überschritten hat; entsprechend skeptisch sei er, was die Zukunft der EU betreffe.

"Nordallianz" der EU-Nettozahler

Einer der Letzteren stellt die These auf, dass der Euro aufgrund der Unterschiedlichkeit der Volkswirtschaften von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Als Rettungsmaßnahme schlägt er Drastisches vor: eine "Nordallianz" der EU-Nettozahler, die die gemeinsame Währung behalten könnten, nachdem sie alle anderen aus der Eurozone hinausgeworfen hätten.

Ein Dritter, wieder ein Historiker, versteht nicht, wie man überhaupt auf die seiner Meinung nach absurde Idee kommen könne, eine sprachlich wie kulturell derart inhomogene Masse wie die Europäer auch nur in irgendeiner Hinsicht unter einen Hut bekommen zu wollen. Bewusste Zuspitzungen, gewiss; aber mehr als genug, um so manchen Konferenzgast aus der alten Welt ungläubig den Kopf schütteln zu lassen.

Wer braucht Feinde, mit solchen Freunden?

Fünf Jahre vorgespult, Frühling 2018: Mit Donald Trump im Weißen Haus hat sich der Ton in Richtung Europa in einer bisher ungekannten Art und Weise verschärft. Nicht einmal Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rats, weiß sich mittlerweile noch anders zu helfen, als öffentlich per Twitter zurückzuschlagen: "Dank Trump haben wir keinerlei Illusionen mehr. Wer braucht Feinde, mit solchen Freunden?" Aber wie repräsentativ sind Trump und seine Administration wirklich dafür, wie die USA heute auf Europa schauen? So repräsentativ wie manche der akademischen Spitzen seines Landes?