Antwort: Ein bisschen – jedenfalls mehr, als sich das viele europäische Eliten eingestehen wollen. Trump selbst mag ein politischer Geisterfahrer sein; aber manches, was den Europäern an ihm aufstößt, haben sie sich selbst zuzuschreiben, waren und sind es doch sie selbst, die ihm Angriffsflächen bieten.

Allem voran, was die – angebliche – und von ihnen immer wieder betonte gemeinsame Verantwortung für eine globale Sicherheitsstruktur angeht. Da ist etwa die ewige Forderung der USA an die europäischen Nato-Mitglieder, sich endlich auch militärisch stärker an der Lösung globaler Konflikte zu beteiligen. (Nämliche findet ihren konkreten Niederschlag unter anderem darin, dass Letztere endlich ihre Wehretats auf mindestens 2 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts erhöhen sollen; für die meisten von ihnen ein bis heute unrealistisches Ziel.)

In diesem Punkt unterscheidet sich Trump von seinem Vorgänger Barack Obama nur im Tonfall und in der mangelnden Geduld. Auch wenn das Thema Europa für die überwältigende Mehrheit der Trump-Wähler keinerlei Rolle spielt, kommt dieser Ansatz auch bei ihnen an. Verpackt in einfache Botschaften, nach dem Motto: Warum sollen wir weiter mit unserem Steuergeld für die Sicherheit von Nationen garantieren, die das längst alleine könnten?

Entgegen kommt jemandem wie Trump dabei der historisch gewachsene Blick Amerikas auf die alte Welt, der bis heute bewusst wie unbewusst durchschlägt. Was auf beiden Seiten des Atlantiks gern vergessen wird: In den Ersten wie in den Zweiten Weltkrieg zogen die USA einst nur widerwillig. "Kriegseuphorie" machte sich erst breit, als man schon am Werk war, und mit selbst aus heutiger Sicht extremer propagandistischer Unterstützung der Wilson- und Roosevelt-Administrationen. Was Wunder: Die Mehrheit derer, die im Rahmen der Auswanderungswellen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die USA als neue Heimat annahmen, wollten nichts wissen von Europas Problemen (das viele von ihnen ja genau wegen dieser verlassen hatten).

Europas Bedeutungsverlust

Nach dem Alliierten-Sieg über die Nazis zementierte der Kalte Krieg die neuen Verhältnisse ein – und damit die Stellung der USA als Super- und Schutzmacht. Seit dem Ende der Sowjetunion hat Europa seine strategische Bedeutung und damit seinen Einfluss verloren – bis zu dem Punkt, dass es heute bei ernsthaften außenpolitischen Strategiedebatten in Washington de facto keine Rolle mehr spielt. Allem voran aus zwei Gründen: Erstens nimmt man die Europäer nicht für voll, weil sie zu den USA als Führungsmacht keine Alternative haben. Und zweitens gibt es nichts, womit Europa den USA auch nur irgendwie ernsthaft gefährlich könnte (Stichwort: technologischer Vorsprung).

Was man angesichts des täglichen Theaters um Trump nicht vergessen darf: Für die wirtschaftliche wie die sicherheitspolitische Zukunft der USA spielen China und der asiatische Raum eine weitaus wichtigere Rolle als die EU, auch wenn sich das noch nicht in Zahlen niederschlägt. Aber vielleicht ist das ja auch Europas Glück: Es ist für die USA unwichtig geworden und gerade noch als Sündenbock für Handelsbilanzdefizite zu gebrauchen. Wenn Europa klug ist, sollte es anfangen, die Wünsche der USA ebenfalls kalkuliert zu ignorieren und seinen eigenen Weg gehen. In aller Freundschaft, selbstredend.