Schladming. Über allen Gipfeln ist Unruh. Zumindest merkte man dem Ennstal aufgrund des Sicherheitsaufgebots eine gewisse Anspannung an: Schon in Liezen waren gut sichtbar Polizeifahrzeuge postiert, die Präsenz in Schladming und auf der Planai war unübersehbar. Polizisten mit Maschinengewehren postierten neben den freundlichen Damen des "Herzlichkeitsteams", um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Und das, obwohl der Andrang doch hinter den Erwartungen zurück geblieben zu sein schien: Rechnete man zunächst mit 7.000 "Gipfelstürmern" und mehr, waren es beim Eintreffen der Spitzenpolitiker dann doch einige hundert EU-Anhänger (und Gegner), die ihnen ihre Aufwartung machten. Das dürfte auch mit dem Wetter zu tun gehabt haben: In der Nacht hatte es in Schladming geregnet, und ein kühler Bergwind sorgte dafür, dass die Begeisterung nicht zu überschäumend wurde. Und so penibel das Drehbuch für den Auftakt von Österreichs EU-Ratsvorsitz auch ausgearbeitet worden war, so ganz klappte es dann doch nicht.

Die "Staffelübergabe" beim "Gipfeltreffen"

Das lag zunächst an Bulgariens Ministerpräsidenten Bojko Borissow, der die Staffelübergabe des EU-Ratsvorsitzes an Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz vornehmen sollte - und sich verkehrsbedingt prompt verspätete. Zusammen mit Ratspräsident Donald Tusk fuhr das Trio schließlich in einer EU-Gondel auf den Gipfel der Planai, wo es von einem Harmonikaspieler zu den Klängen der "Lustigen Holzhackerbuam" begrüßt wurde. Wenig rustikal ging es anschließend über einen "EU-Trail" hinab in die Schafsalm, wobei die Wanderung in diesem Fall einem fünfminütigen Fußmarsch gleichkam. Mehr wäre allerdings schwierig gewesen, da Fans von Bundeskanzler Kurz jede Gelegenheit nützten, um vielleicht doch noch an ein Selfie mit ihrem Idol zu kommen. "Ich bin extra aus Bayern angereist, um Sebastian einmal die Hand zu geben", sagte beispielsweise ein Fan aus dem Münchner Umland. Sichtlich zufrieden beobachtete auch Schladmings ÖVP Bürgermeister Jürgen Winter das Geschehen: "Es gibt nur alle zehn bis 15 Jahre die Möglichkeit eines solchen Fests. Die Freude ist natürlich riesig, wir können so auch abseits des Sports auf unsere Tourismusdestination aufmerksam machen."

"Gegen ein Europa, das tötet"