• vom 18.09.2018, 18:03 Uhr

EU-Vorsitz


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Gleichschritt zwischen Rom und Wien in Sachen Migration




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  • Kanzler Kurz und Italiens Premier Conte sprechen sich für eine Stärkung von Frontex aus, Conte drängt auf höhere EU-Investitionen in Afrika.

Italiens Premier Conte und Kanzler Kurz schreiten die Carabinieri-Ehrenkompanie beim Palazzo Chigi in Rom ab. - © afp/Vincenzo Pinto

Italiens Premier Conte und Kanzler Kurz schreiten die Carabinieri-Ehrenkompanie beim Palazzo Chigi in Rom ab. © afp/Vincenzo Pinto

Rom/Wien. (apa) Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Dienstag seine "Tour de capitales" vor dem Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Salzburg mit einem Besuch beim italienischen Premier Giuseppe Conte abgeschlossen. Dabei gab es Übereinstimmung in Sachen Migrationspolitik, während weiterhin Divergenzen beim heiklen Thema der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler bestehen.

80 Prozent weniger Migranten in Italien seit Jahresbeginn
Kurz und Conte hoben beide die Notwendigkeit hervor, die Grenzschutzagentur Frontex zu stärken. "Wir wollen Frontex stärken und das Mandat ausbauen", sagte Kurz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Conte in Rom. Österreich sei froh, dass Italien die Zahl der illegalen Migrantenankünfte seit Jahresbeginn um 80 Prozent reduzieren konnte. "Das ist nicht nur für Italien, sondern auch für Österreich und die ganze EU wichtig", meinte der Kanzler. Beim informellen EU-Gipfel in Salzburg am Mittwoch und Donnerstag müsse man für eine gesamteuropäische Lösung in der Flüchtlingsproblematik arbeiten.


Beim EU-Gipfel im Juni sei ein "Durchbruch" in Sachen europäischer Migrationspolitik erreicht worden. Aufgabe in Salzburg sei es, weiterzuarbeiten, um diese neue Zielsetzung zu konkretisieren. "Ich bin sicher, dass uns der Gipfel in Salzburg weiterbringen wird", meinte der Kanzler.

Auch Conte bestätigte, dass der EU-Gipfel im Juni eine "neue Perspektive" in der europäischen Migrationsproblematik eröffnet habe. Jetzt sei es wichtig, verstärkt in den afrikanischen Herkunfts- und Transitländern der Migranten zu investieren. Es sei "unvernünftig", dass die EU "beträchtliche Investitionen" für die Türkei lockergemacht habe, jedoch wesentlich weniger für Nordafrika ausgeben wolle.

Conte drängte auch auf die Änderung der Ziele des EU-Mittelmeereinsatzes "Sophia". Das Mandat dieser Mission sei in einem anderen politischen Kontext festgesetzt worden und müsse auch angesichts der Wende beim EU-Gipfel im Juni geändert werden.

Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler als Streitthema
Beim Treffen mit Kurz sprach Conte auch das Thema der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler an. "Österreichs Position ist klar. Es besteht der Wunsch vieler Südtiroler, dass eine Doppelstaatsbürgerschaft eingeführt wird. Wir respektieren diesen Wunsch, werden jedoch alle Regelungen mit Italien abstimmen", versicherte der Kanzler. Für Italien gebe es seiner Ansicht nach keinerlei "Grund zur Aufregung". Conte erwiderte, die Position Italiens in dieser Frage sei klar, man sei strikt dagegen, wie auch der italienische Außenminister Enzo Moavero Milanesi in einer Presseaussendung am Montagabend betont hatte.

Als "anachronistischen Revanchismus" bezeichnete das italienische Außenministerium die Pläne der Bundesregierung in Wien. Eine "einseitige Initiative" Österreichs in Sachen Doppelpass wäre laut der Presseaussendung "unangebracht" vor allem angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Südtirol. Aus Protest gegen die Pläne der Regierung kündigte Moavero Milanesi an, dass er nicht zu einem bilateralen Treffen in Wien reisen werde, das Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) plane. Ein Klima des "gegenseitigen Vertrauens", eine "unentbehrliche Bedingung für das Gelingen dieser Art von Treffen", sei derzeit nämlich nicht vorhanden, hieß es.

Auch das Thema Brexit thematisierten Kurz und Conte in Rom. "Italien und Österreich sind sich darüber einig, dass man einen ‚Hard Brexit‘ vermeiden muss", sagte Kurz bei der Pressekonferenz mit Conte. "Wir denken, dass alle 27 EU-Mitgliedsstaaten eine einheitliche Position und eine Einigung mit Großbritannien erreichen müssen. Wir werden mit der britischen Premierministerin Theresa May sprechen und die Situation prüfen", sagte Kurz.




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