Die Allmacht der Notenbanken scheint unbegrenzt. Was wird nicht alles von ihnen verlangt: Sie sollen stabile Preise garantieren. Nach Bedarf die Zinskurve modellieren. Wechselkurse in Zaum halten. Kriselnde Banken aufpäppeln. Die Konjunktur retten. Und sie sollen trudelnde Staaten finanzieren, die sonst von niemandem mehr Kredit erhalten würden. Bei alledem, das nur am Rande, sollen sie völlig unabhängig agieren.

Schon der Hausverstand lehrt, dass diese Ziele nicht zur gleichen Zeit erreichbar sein können. Aber funktioniert es nicht wunderbar? Immerhin hat die Mega-Geldspritze der Europäischen Zentralbank für die Banken (mehr als 1000 Milliarden Euro in zwei Tranchen) einen verblüffenden Stimmungswandel bewirkt: Die Staatenfinanzierung scheint in der Eurozone plötzlich kein Thema mehr. Wie durch ein Wunder sind die Zinsen der Wackelkandidaten dahingeschmolzen: Italien zahlt für frisches Geld auf zehn Jahre statt mehr als 7 Prozent nun unter 5 Prozent Zinsen.

Attac Österreich schlägt überhaupt vor, dass Staatsanleihen zu fixen Niedrigzinsen unterhalb der Wachstumsrate ausgegeben werden. Was, wenn sich keine Investoren finden, um diese zu kaufen? Richtig: "Dann sollte dies die Europäische Zentralbank tun." Klingt wie ein perfektes Perpetuum mobile zur Staatsfinanzierung.

Erfahrene Notenbanker wie der Franzose Hervé Hannoun warnen eindringlich vor dieser "Illusion grenzenloser Intervention". Die Historie zeige, dass Zentralbanken zwar schnell in den Krisenmodus schwenken, sich aber viel schwerer tun, den Ausstieg zu schaffen. Somit wird dieser aufgeschoben - und der Markt dauerhaft abhängig von Niedrigzinsen und Geldspritzen. Das hat fatale Konsequenzen: Angeschlagene Banken müssen ihre Bilanzen nicht in Ordnung bringen, sondern vegetieren vor sich hin. Überschuldete Staaten spüren keinen Druck, ihre leichtfertige Politik zu ändern. Weil die Gefahren aufgrund der expansiven Geldpolitik unterspielt werden, sind Spekulanten verleitet, noch riskantere Wetten mit noch größeren Kredithebeln einzugehen.

Gerne wird übersehen, dass für eine aufgeblähte Zentralbank-Bilanz der Steuerzahler haftet. Das Langzeit-Risiko sind galoppierende Preise, wenn die Geldpolitik unglaubwürdig wird. Würden die Zentralbanken alle Schranken fallen lassen und dauerhaft die Geldpressen anwerfen, so würde man rasch bei einem System landen, das die Bürger und Investoren etwa alle 20 Jahre enteignet - schleichend via Hyperinflation oder schlagartig über Währungsreformen. Skurril, dass solche Vorschläge ausgerechnet von Globalisierungskritikern kommen, die eigentlich für ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem sind.