Die blutigen Ereignisse rund um die Niederschlagung des sozialdemokratischen Aufstandes in den Februartagen 1934 sorgten in der Tschechoslowakei als dem nördlichen Nachbarland Österreichs für ungeheure Aufregung. Dort war man damals aber nicht nur indirekt vom Bürgerkrieg in Österreich betroffen. Sowohl die Anführer der Österreichischen Sozialistischen Arbeiterpartei (SDAP) wie auch versprengte Schutzbündler flohen über die Grenze in das einzig demokratisch regierte Land Mitteleuropas. Brünn wurde in Folge zu einem organisatorischen Zentrum des Widerstandes, wo die nunmehr illegale "Arbeiter Zeitung" gedruckt wurde.

Otto Bauer, in den schicksalshaften Tagen des Februar 1934 einer der führenden Männer der SDAP, war zumindest kein Haudegen, da sind sich Historiker einig. Bis zum Schluss gegen eine bewaffnete Auseinandersetzung, gelang es dem Politiker und beredten austromarxisitischen Theoretiker aber nicht, das Blutvergießen abzuwenden.

Als die Kämpfe, die in der Arbeiter-Hochburg Linz ihren Ausgang nahmen, auf Wien übergriffen, befand sich ein Teil der sozialdemokratischen Führung - so auch Otto Bauer - im Favoritner Ahornhof. Noch bevor das Gebäude von Einheiten der Heimwehr und des Bundesheeres umstellt werden konnte, entschlossen sich Bauer wie der Leiter des Republikanischen Schutzbundes, Julius Deutsch, zur Flucht: Der damalige tschechische Botschafter, Zdenek Fierlinger, stellte einen Wagen zur Verfügung, mit dem sich Bauer - widerstrebend, wie Zeitzeugen berichten, - zunächst in die slowakische Metropole Bratislava schleusen ließ. Später sammelte sich die illegale österreichische Sozialdemokratie in Brünn, um dort die verschiedenen Splittergruppen zu koordinieren und die illegale "Arbeiter Zeitung" zu drucken. Die Tschechoslowakei gewährte den Versprengten zunächst bereitwillig Asyl.

Keine Alternative

In ein anderes mitteleuropäisches Land hätten Bauer und andere führende Genossen kaum gehen können, denn das autoritär regierte Österreich war im Jahr 1934 selbst von Diktaturen umzingelt. In Deutschland war Hitler an die Macht gekommen, in Ungarn herrschte Horthy, Italien stand seit langem unter der Knute Mussolinis, in Jugoslawien hatte König Alexander I. fünf Jahre zuvor die Verfassung außer Kraft gesetzt. Allein die Tschechoslowakei hielt als liberales "Bollwerk" an der Demokratie fest.