• vom 09.02.2014, 11:00 Uhr

Februar 1934

Update: 11.02.2018, 22:39 Uhr

Februar 1934

"Dollfuß hat Österreich getötet"




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Oliver Rathkolb

  • Im Februar 1934 begann der Untergang der Ersten Republik. Im Rückblick erscheinen die taktischen Manöver und militärischen Aktionen der Regierung Dollfuß wie ein Lehrstück der politischen Selbstvernichtung.



Gefängnis und Hinrichtung:  Verhaftete Sozialdemokraten werden abtransportiert (Bild links).

Gefängnis und Hinrichtung:  Verhaftete Sozialdemokraten werden abtransportiert (Bild links).

© akg-images / picturedesk.com

Gefängnis und Hinrichtung:  Verhaftete Sozialdemokraten werden abtransportiert (Bild links).

© akg-images / picturedesk.com

Der ehemalige Landwirtschaftsminister Engelbert Dollfuß musste als Bundeskanzler seit 1932 mit nur einer Stimme Mehrheit im Parlament auskommen, als auf Grund einer umstrittenen Abstimmung über einen Eisenbahnerstreik nacheinander alle drei Präsidenten des Nationalrates zurücktraten und der Nationalrat verhandlungsunfähig auseinanderging. Dollfuß und seine Berater nützten diese Geschäftsordnungskrise, um von einer "Selbstausschaltung des Parlaments" zu sprechen, obwohl dies keineswegs den Tatsachen entsprach, und mit Hilfe des "Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes" vom 24. Juni 1917 weiterzuregieren. Der bewusste Verfassungsbruch wurde auf anderen Ebenen fortgesetzt, da sich keine offensive Oppositionskraft fand: Der christlichsoziale Bundespräsident Wilhelm Miklas nützte seine Rechte nicht – trotz seiner rechtlichen Vorbehalte gegen die Vorgangsweise Dollfuß’ –, der Verfassungsgerichtshof wurde ebenfalls durch die Abberufung der christlichsozialen Mitglieder lahmgelegt.

Information

Oliver Rathkolb, Dr. iur., Dr. phil.,
Univ.-Prof. am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien;  Herausgeber und Mitherausgeber einer Vielzahl an Fachpublikationen über Zeit- und Gegenwartsgeschichte – u.a. "Die paradoxe Republik. Österreich 1945–2005"; Paul Zsolnay-Verlag Wien (ausgezeichnet mit dem Donauland-Sachbuchpreis Danubius 2005 und dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2005).


Die sozialdemokratische Parteiführung konnte sich nicht zu einem offenen Widerstand gegen die Regierung Dollfuß entschließen, obwohl immer deutlicher wurde, dass Dollfuß sich eng an den italienischen Faschismus anlehnte. Er hoffte, dadurch außenpolitische Unterstützung gegen das Deutsche Reich zu erhalten, wo inzwischen Hitler an die Macht gekommen war und begann, sein nationalsozialistisches Regime zu etablieren. Selbst vor Waffenschmuggel in das halbfaschistische Ungarn schreckten die österreichischen Kontaktleute der paramilitärischen Heimwehr nicht zurück, wenn es nur gelang, dem italienischen Verbündeten dienstbar zu sein. Die "Arbeiter-Zeitung" und die sozialdemokratische Eisenbahnergewerkschaft deckten zwar den Schmuggel auf, doch hatte die Affäre, in die die Hirtenberger Patronenfabrik verwickelt war, keinerlei innenpolitische Konsequenzen – abgesehen von Protesten.

Suche nach Ausgleich

Selbst als nach den Gemeinderatswahlen vom 23. April 1933 in Innsbruck – die letzten demokratischen Wahlen in Österreich bis 1945 – Landtags- und Gemeindewahlen verboten wurden, da überraschend die NSDAP mit 40 Prozent zur stimmenstärksten Partei geworden war, gab es auf Seiten der sozialdemokratischen Funktionäre keinerlei Konsequenzen. Die Parteiführung um Otto Bauer war immer noch zum Ausgleich mit der Regierung bereit. Überdies waren sich militärische Experten wie der ehemalige k. u. k. General Theodor Körner bewusst, dass der "Schutzbund" eigentlich kein gleichwertiger Gegner für das österreichische Berufsheer und die Polizeikräfte war.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-06 15:40:33
Letzte Änderung am 2018-02-11 22:39:01







Werbung



ANNO

12. Februar 1934






Zeitzeugen im Interview







Trickfilm







Werbung