• vom 09.02.2014, 16:00 Uhr

Februar 1934

Update: 08.02.2018, 16:57 Uhr

Steyr

"Hoffentlich drahn's eam des o"




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Von Christa Hager

  • Die Februarkämpfe in der Kleinstadt Steyr und ihre Ursachen.

Schutzbundstellung auf der Ennsleite. - © Stadtarchiv Steyr

Schutzbundstellung auf der Ennsleite. © Stadtarchiv Steyr

Einmal im Jahr blüht der kleine Platz auf der Ennsleite in Steyr so richtig auf. Dann umsäumen Menschen und Blumenkränze das moosbefleckte Betondenkmal zu Ehren der Opfer des Februar  1934. Während des restlichen Jahres ist es dann wieder still um dieses Thema, und das, obwohl Steyr eine der wenigen Städte Österreichs war, in der sich viele Menschen für den Fortbestand der Ideale und Errungenschaften der jungen Republik eingesetzt hatten.

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Information

Interview mit dem Zeitzeugen Franz Weiss aus Steyr: "Otto Bauer war keine Kampfnatur"

Das Museum Arbeitswelt in Steyr zeigt ab 9. April 2014 die große Sonderausstellung: "Vom Boom zum Bürgerkrieg: Steyr 1914 bis 1934.
Link: museum-steyr.at

Audio: Hörbilder: Erinnerungen an einen Aufstand: Steyr - Februar 1934

Versuchen wir es zu sagen: Die Gesellschaft muss sich diese Dinge ja wohl einmal ansehen, da sie sie selber schafft", schrieb Victor Hugo in seinem berühmten Werk "Die Elenden". Als er diese Worte verfasste, befand sich die Stadt Steyr gerade im Aufschwung. Der junge Unternehmer Josef Werndl hatte zuvor die Waffenfabrik von seinem Vater übernommen, 1869 gründete er die "Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft", ab 1926 kurz Steyr-Werke genannt.  Die Geschichte der Stadt Steyr blieb für Jahrzehnte mit diesem Unternehmen verzahnt.


Bis zum Ersten Weltkrieg war Steyr durch die Waffenproduktion zu einem bedeutenden Industriestandort angewachsen – die Steyr-Werke waren neben den Pilsner Skodawerken in Böhmen der größte Rüstungsbetrieb der Monarchie. 1913 baute man den Betrieb im Stadtteil Ennsleite aus. Allerdings kam er durch das Verbot der Waffenproduktion in Österreich im Vertrag von Versailles in große Schwierigkeiten und das zweite Standbein des Unternehmens, die Erzeugung von Fahrzeugen, konnte diesen Wegfall nicht kompensieren.

Eine US-amerikanische Zeitung schrieb Ende der 1920er Jahre über "Österreichs Detroit": "Malerische Stadt des Elends". Der Holzschnitt aus der Zeit damals bezieht sich auf die vielen hungernden Kinder und Jugendliche.

Eine US-amerikanische Zeitung schrieb Ende der 1920er Jahre über "Österreichs Detroit": "Malerische Stadt des Elends". Der Holzschnitt aus der Zeit damals bezieht sich auf die vielen hungernden Kinder und Jugendliche.©Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung Eine US-amerikanische Zeitung schrieb Ende der 1920er Jahre über "Österreichs Detroit": "Malerische Stadt des Elends". Der Holzschnitt aus der Zeit damals bezieht sich auf die vielen hungernden Kinder und Jugendliche.©Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung

Bereits im ersten Jahr nach dem Ersten Weltkrieg halbierte sich die Zahl der Beschäftigten von 8000 auf die Hälfte, ab 1929 ging es durch die Weltwirtschaftskrise endgültig bergab. 1930 blieben 2000 übrig, 1934 waren es gar nur mehr 1000 Arbeiter.

Steyr hatte damals rund 22.000 Einwohner, davon lebte Ende 1931 mehr als die Hälfte von öffentlicher Hilfe. 90 Prozent der Schulkinder waren unterernährt. Steyr wurde zum Synonym für Elend und Armut. So schrieb am 1. Jänner 1932 die "Arbeiter-Zeitung" in einem Artikel mit dem Titel "So stirbt eine Stadt! Wie die Menschen in Steyr zugrunde gehen": "Neunzig Prozent aller Kinder in Steyr sind furchtbar unterernährt, die Tuberkulose wütet unter ihnen, zerfrisst ihre Lungen, ihre Knochen, ihre Kehlköpfe. Es gibt Menschen, die tagelang im Bette liegen, weil sie weder Holz noch Kohle noch Kleider noch Schuhe haben. Es gibt Familien, deren einzige Kost seit Monaten Wassersuppen sind, weil sie nicht einmal Kartoffeln kaufen können."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-07 16:00:29
Letzte Änderung am 2018-02-08 16:57:35







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12. Februar 1934






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