• vom 07.02.2014, 15:09 Uhr

Februar 1934

Update: 08.02.2018, 16:57 Uhr

Linz

Auf Spurensuche




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Das ehemalige Hotel Schiff heute.

Das ehemalige Hotel Schiff heute.© Julia Rumplmayr Das ehemalige Hotel Schiff heute.© Julia Rumplmayr

Der Leiter des oberösterreichischen Schutzbundes hatte angekündigt, sich bei Waffensuchen gewaltsam zu wehren, und mehrere Punkte in der Stadt mit Schutzbündlern besetzen lassen. Ein Appell von Otto Bauer aus Wien, ein verschlüsseltes Telegramm, das ihm nahelegte abzuwarten, blieb ungehört. In den Morgenstunden des 12. Februar wurde das Hotel Schiff gestürmt, Bernaschek in seinem Büro festgenommen. Die Februarkämpfe nahmen ihren Lauf, verbreiteten sich vom Hotel Schiff auf mehrere Punkte in Linz und schließlich auf viele österreichische Städte.

Die Tabakfabrik, in den 30er Jahren einer der größten Arbeitgeber in Linz.

Die Tabakfabrik, in den 30er Jahren einer der größten Arbeitgeber in Linz.© Julia Rumplmayr Die Tabakfabrik, in den 30er Jahren einer der größten Arbeitgeber in Linz.© Julia Rumplmayr

Wenige hundert Meter die Landstraße in Richtung Donau entlang erreicht man den Hauptplatz. In seiner Geschichte war er immer der Standort politischer Umwälzungen, hier fanden Paraden und Verkündigungen statt. Bis heute ist er die Bühne für feurige Wahlkampfreden aktueller Politiker. 1934 dürfte es hier ruhig gewesen sein, das Hotel Schiff blieb der einzige innerstädtische Ort der Kampfhandlungen. Die übrigen fanden außerhalb in den Arbeitervierteln und an guten Aussichtspunkten statt.


Die wechselvollen Jahre der Ersten Republik und ihre dramatische Entwicklung zeigten sich aber wie auf anderen Plätzen des Landes auch hier, nicht zuletzt in der Namensgebung: Der 1230 angelegte Hauptplatz wurde 1873 zunächst Franz-Josephs-Platz genannt, nach Ausrufung der Ersten Republik wurde er zum Platz des 12. November. Nach 1934 wurde er im Austrofaschismus wieder zum Franz-Josephs-Platz. Nach dem "Anschluss" wurde er zum Adolf-Hitler-Platz, um schließlich nach 1945 wieder zum Hauptplatz zu werden. Auf dem kleinen Balkon des alten Rathauses in der Mitte des Platzes hielt Adolf Hitler nach dem Einmarsch am 12. März 1938 eine Rede, die tausende Menschen auf dem Platz verfolgten. Er hatte seine Jugendstadt zur "Führerstadt" erkoren und Großes mit ihr vor. Heute erinnern nur die Nibelungenbrücke und die dominanten Brückenkopfgebäude an die hochtrabenden Projekte, mit denen Hitler Linz zu einer Hauptstadt des Dritten Reiches machen wollte.

Das Parkbad war am 12. Februar 1934 ebenfalls ein Zentrum des Widerstands.

Das Parkbad war am 12. Februar 1934 ebenfalls ein Zentrum des Widerstands.© Julia Rumplmayr Das Parkbad war am 12. Februar 1934 ebenfalls ein Zentrum des Widerstands.© Julia Rumplmayr

Im alten Rathaus befindet sich bis heute der Sitz des Bürgermeisters und des Gemeinderats. Hier ist auch das Stadtmuseum Genesis beheimatet, in dem wir die Spurensuche nach dem 12. Februar 1934 in Linz fortsetzen. "Stadtgeschichte im Zeitraffer" verspricht das kleine Museum, das auf zwei Ebenen von der Urgeschichte bis ins Heute führt.

Dem Februar 1934 ist eine Vitrine mit Waffen und Helmen aus den Kämpfen gewidmet. Heimwehrler, Schutzbündler und das Militär verwendeten die gleichen Waffen aus dem Ersten Weltkrieg, die sie meist nicht abgegeben hatten. Auch die Helme sehen gleich aus, jene mit dem grünen Streifen sind die der Heimwehrler, von ihren Kappen mit Hahnenfedern leitete sich der Ausdruck "Hahnenschwänzler" für die Kämpfer ab. Mit dem Wiederaufbau und der Entnazifizierung durch die Besatzungsmächte endet der Rundgang durch die Geschichte von Linz im Stadtmuseum. Im Alten Rathaus befindet sich auch das Tourismusbüro der Stadt, vor dem Gebäude unter dem Balkon starten die meisten Touristenführungen. Sie führen in die barocke Altstadt, in die Hinterhöfe der Stadt, die zahlreichen Kirchen der Innenstadt, auf die Aussichtstürme der Hausberge, in die Stollen, in die dunkle Geschichte der Stadt. Mit dem Austria Guide Casimir Paltinger setzen wir die Spurensuche nach den Linzer Februarkämpfen fort, die auch in die Geschichte des "roten Linz" der Ersten Republik führen. "Es gab neben dem berühmten Roten Wien auch das rote Linz", erklärt er.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-07 17:09:41
Letzte Änderung am 2018-02-08 16:57:55







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12. Februar 1934






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