• vom 12.02.2018, 06:00 Uhr

Februar 1934


Februarkämpfe 1934

Die meisten Opfer waren Unbeteiligte




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Von WZ Online, APA

  • Wie eine wissenschaftliche Studie zeigt, hielten sich die Todesopfer der beiden Kampfparteien ungefähr die Waage.

Gedenktafel am Schlingerhof in Floridsdorf in Wien. - © Peter Gugerell, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16943261

Gedenktafel am Schlingerhof in Floridsdorf in Wien. © Peter Gugerell, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16943261

Wien. Vor 84 Jahren brach der Aufstand der Sozialdemokraten gegen das autoritäre Regime des christlichsozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß aus. Für die Sozialdemokraten war der Februar-Aufstand ein letzter Verzweiflungsschlag ohne Aussicht auf Erfolg. Ihr bewaffneter Flügel, der Schutzbund, war bereits kurz nach der Ausschaltung des Parlaments durch Dollfuß verboten worden, ihre letzte Machtbastion - das "Rote Wien" - wurde von der Regierung finanziell ausgehungert. Der Generalstreik misslang und der Schutzbund war der Übermacht aus Bundesheer, Polizei und Heimwehren nicht gewachsen, der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

 Die meisten Opfer waren Unbeteiligte

Passanten, Kinder oder Alte: Die meisten Opfer der Kämpfe im Februar 1934 waren Unbeteiligte. Das zeigt eine Studie des Historikers Kurt Bauer, die u.a. eine namentlichen Erfassung und damit eine genaue Zahl aller Todesopfer umfasst. Die Studie wurde 2014 veröffenticht. nsgesamt zählt Bauer 350 bis 370 Opfer der Februarkämpfe. "Die Todesopfer der beiden Kampfparteien halten sich ungefähr die Waage. Die stärkste Opfergruppe stellen allerdings die Unbeteiligten, also Nicht-Kombattanten, dar, die mehr oder weniger zufällig ins Kampfgeschehen gerieten", so Bauer. Ihre Zahl liegt bei 120 bis 140 Personen. Die meisten Todesopfer gab es in Wien (200 bis 220), dann folgen Oberösterreich und die Steiermark.

Bürgerkrieg?

Das erklärt sich der Historiker vor allem mit der stärkeren Industrialisierung dieser Bundesländer und damit der höheren Anzahl der Arbeiter. "Die Februarkämpfe beschränkten sich ausschließlich auf stark industrialisierte Bezirke", so der Historiker. In Wien war die Anzahl der unbeteiligten Todesopfer besonders hoch - vor allem aufgrund der Kämpfe im dicht verbauten Gebiet. Die Schuldfrage für die vielen Opfer unter Nicht-Kombattanten sieht Bauer auf beiden Seiten gleichermaßen - Ausschreitungen ließen sich sowohl aufseiten der Regierung als auch der Aufständischen nachweisen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-07 22:21:10
Letzte Änderung am 2018-02-11 21:40:48







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