• vom 01.09.2012, 17:46 Uhr

Filmfestival Locarno

Update: 05.08.2014, 14:51 Uhr

Nachlese 2012

Jeden Tag ein Superstar




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Von Matthias Greuling

  • Nachlese 2012
  • Das Filmfestival Locarno setzte auf große Namen von Delon bis Belafonte.

Herausragender Film : "Der Glanz des Tages" . - © Festival del Film Locarno

Herausragender Film : "Der Glanz des Tages" . © Festival del Film Locarno



Ohne Strahlkraft geht es nicht: Das weiß Olivier Père, der künstlerische Leiter des Filmfestivals in Locarno. Auf der Piazza Grande wird fast täglich ein Sonder-Award oder ein Preis fürs Lebenswerk vergeben - auf diese Weise reißen die Besuche von großen (einstigen) Stars niemals ab: Charlotte Rampling war da, Alain Delon auch, ebenso die nicht mehr als solche erkennbare, gestraffte Ornella Muti; Leos Carax erschien mit Aufputz Kylie Minogue, zuletzt wurde Harry Belafonte geehrt.

Eine Taktik, die Père die Aufmerksamkeit der Weltpresse sicherstellt, die er mit seinem spröden, unprätentiösen Wettbewerb niemals hätte. Dabei hat er feine Arbeiten zusammengestellt, über die in Locarno eifrig debattiert wird, etwa über die Schweizer Filme im Wettbewerb: Peter Mettler servierte in "The End of Time" eine kontemplative Bilder-Melange aus assoziativen und konkreten Umgängen mit Zeit. "Image Problem" von Simon Baumann und Andreas Pfiffner befasst sich auf launige Weise mit der Eigenwahrnehmung der Schweizer und ihrer Wirkung auf das Ausland.


Der österreichische Beitrag "Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel zählt indes zu den potenziellen Anwärtern auf einen Preis: Der Film ist Zeugnis dafür, dass von dramaturgischen Konventionen und gängiger TV-Dramaturgie verstellte Charaktere im Kino nicht sein müssen: Das Paar erzählt von einem Schauspieler (Philipp Hochmair als er selbst), in dessen von Textlernen und Theaterproben beherrschtes Leben plötzlich sein Onkel (herausragend: Walter Saabel) tritt, der ihm wieder so etwas wie Lebensnormalität vorzeigt. Das Aufeinandertreffen zweier Welten ist hier als wunderbar beiläufige Filmerzählung geglückt: Die Künstlichkeit in der Welt des Schauspielers wird durch die Anwesenheit seines bodenständigen Onkels, eines einstigen Zirkusartisten, konterkariert. Wie schon in "Babooska" und "La Pivellina" arbeiten Covi und Frimmel mit großer dokumentarischer Präzision; diesmal skizzieren sie mit einer unglaublichen authentischen Kraft Lebensentwürfe zwischen Schein und Sein. "Der Glanz des Tages" ist der bislang herausragendste Film dieses Festivals.

Auch nicht ohne Applaus blieben einige US-amerikanische Beiträge, etwa die Horror-Romanze "Jack and Diane", das Psychoterror-Kammerspiel "Compliance" oder die fragile Charakterstudie "Starlet". Während außerhalb des Wettbewerbs auf der Piazza Grande Christoph Schaubs gut gemeinte Dramaturgie in dem Entführungsdrama "Nachtlärm" an der mediokren Leistung der Darsteller (etwa Alexandra Maria Lara) scheitert, gab es mit "Bachelorette" den ersten richtigen Tiefpunkt: Hier geht es um drei wahnsinnig hysterische Frauen in einer von ihnen als wahnsinnig hysterisch empfundenen Welt, die beschränkter kaum sein könnte: Drei Singles um die 30 tingeln von einem Bett ins nächste, kotzen für die schlanke Linie und koksen, um das zu verdrängen. Die seicht-frivole Komödie spricht über das Gemüt einer ganzen Generation junger, frustrierter Frauen, in deren Lebensverständnis wohl einiges dramatisch schiefgelaufen ist. Kotzen, Koksen, Koitus - die traurige De-Emanzipation eines Geschlechts. Arm, wer über dieses Gedankenmodell nicht hinauskommt.




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Dokument erstellt am 2012-08-07 17:53:10
Letzte Änderung am 2014-08-05 14:51:32



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