• vom 09.08.2015, 09:20 Uhr

Filmfestival Locarno

Update: 03.08.2016, 09:40 Uhr

Nachlese 2015

Ein Mörder aus Österreich




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Von Alexandra Zawia

  • "Jack" von Elisabeth Scharang feierte Premiere in Locarno. Die Regisseurin im Gespräch.

Schriftsteller und Hofnarr der High Society: Johannes Krisch spielt Jack Unterweger. - © WZ Online / Katharina Sartena

Schriftsteller und Hofnarr der High Society: Johannes Krisch spielt Jack Unterweger. © WZ Online / Katharina Sartena

Locarno. Mit ihrem Film "Jack" über den österreichischen Mörder Jack Unterweger blickt Regisseurin Elisabeth Scharang nach "Franz Fuchs - Ein Patriot" erneut auf ein Stück österreichische Kriminalgeschichte.

"Österreichischer Mörder, Schriftsteller und in erster Instanz verurteiler Serienmörder", so weist die allgemeine Kurzbio Jack Unterweger aus, und tatsächlich ist es gerade auch seine Herkunft, welche die steirische Regisseurin Elisabeth Scharang an der fiktionalen Aufarbeitung seiner Geschichte interessiert hat: Für ihren Film "Jack", der am Samstag Abend beim Filmfestival in Locarno seine Weltpremiere auf der Piazza Grande feiern durfte, ging sie an den niemals restlos aufgeklärten Kriminalfall auch mit dem Ziel heran, "diesen zweiten Blick zu wagen, den Zweifel zu suchen", wie sie in unserem Gespräch erklärt: "Man will es ja gerade auch in Österreich oft lieber nicht so genau wissen und sucht besser den Konsens, um keine Scherereien zu haben."


Unterweger hatte 1974 eine junge Frau stranguliert, saß dafür bis zu seiner bedingten Freilassung eine 15-jährige Haftstrafe ab und startete während dieser Zeit eine Karriere als Autor und Herausgeber der Literaturzeitschrift "Wortbrücke", für die unter anderem auch Elfriede Jelinek schrieb. Sechs Monate nach seiner Entlassung begann eine Reihe von Morden an Prostituierten, die alle dieselbe Handschrift trugen: Strangulation mit ihrer Unterwäsche, die zu einem Henkersknoten gebunden war. Unterweger wurde wieder verdächtigt, leugnete beharrlich und wurde 1994 erneut verurteilt, worauf er sich in seiner Zelle erhängte.

Hofnarr der High Society

Weltpremiere in Locarno: Die "Jack"-Hauptdarsteller Corinna  Harfouch und Johannes Krisch.

Weltpremiere in Locarno: Die "Jack"-Hauptdarsteller Corinna  Harfouch und Johannes Krisch.© Katharina Sartena Weltpremiere in Locarno: Die "Jack"-Hauptdarsteller Corinna  Harfouch und Johannes Krisch.© Katharina Sartena

In Scharangs Film spielt Johannes Krisch Unterweger als Dandy und Liebling der Frauen sowie der damaligen kultur-intellektuellen Szene, die ihn gleichsam als "Symbol dafür unterstützt hatte, dass man sich für eine Strafrechtsreform einsetzte hat und Resozialisierung stärken wollte", so Scharang. "Aber eigentlich war er der Hofnarr der High Society." Sie selbst erlebte ihn als "sehr elegant, korrekt, zuvorkommend, irgendwie spießig und nicht besonders attraktiv. Ich glaube, was die Frauen besonders an ihm schätzten, war, dass er ihnen das Gefühl geben konnte, im Mittelpunkt zu stehen. Er konnte sehr gut zuhören."

Sieben Jahre hat Scharang an "Jack" gearbeitet; die Idee, seine Geschichte überhaupt zu verfilmen, war aber nicht ihre: "Mein Produzent Dieter Pochlatko schlug mir vor, diesen Stoff aufzurollen und ich lehnte spontan ab." Pochlatko hatte 1998 selbst mit Unterweger bereits den Film "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus" gemacht; allein in der epo-Film lägen aus den letzten 18 Jahren von zehn unterschiedlichen Autoren Projekte vor, die nie realisiert wurden, so Scharang. Die Frage, was man der Geschichte Neues abgewinnen kann, stellt sich tatsächlich. Von der TV-Dokumentation bis zum Theaterstück diente das Leben Unterwegers bereits als Vorlage (u.a. für "Black Jack" von Franzobel und "The Infernal Comedy" mit John Malkovich aus dem Jahr 2008) - und mit Wilhelm Hengstler konnte Unterweger 1988 ein selbst geschriebenes Drehbuch als Biopic realisieren.

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Dokument erstellt am 2015-08-09 09:21:27
Letzte Änderung am 2016-08-03 09:40:38



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