• vom 08.08.2017, 07:09 Uhr

Filmfestival Locarno

Update: 31.07.2018, 16:03 Uhr

Nachlese 2017

"Schauspielern ist der leichteste Job"




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Von Matthias Greuling

  • In Locarno sprach Haneke-Schauspieler Mathieu Kassovitz über die Herausforderungen eines seiner Berufe.

- © Foto: Katharina Sartena

© Foto: Katharina Sartena

Mathieu Kassovitz hat eines dieser Gesichter, die man nicht mehr vergisst, wenn man sie einmal auf einer Leinwand gesehen hat: Da ist etwas Manisches, etwas Suchendes, zugleich etwas Forderndes. Die schlanke Gestalt macht ihn zu einem wendigen Charakter, in seinen Augen blitzt auch mal das Verderben auf. Kassovitz, geboren 1967 in Paris, gehört als Schauspieler zu den bekannten Unbekannten, zumindest in unseren Breiten. Er war in "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001) ebenso dabei wie in "Das fünfte Element" (1997) oder "München" (2005). Als Regisseur allerdings verantwortet er auch ein paar Kultfilme, darunter etwa "Hass" (1995), "Die purpurnen Flüsse" (2000) oder "Gothika" (2003). Jetzt steht er als Darsteller in dem Boxer-Drama "Sparring" in der Rolle eines gealterten Boxers im Wettbewerb des Filmfestivals von Locarno, wo man ihm auch einen "Excellence Award" verlieh.

Das Interview mit der "Wiener Zeitung" in Locarno beginnt Kassovitz mit einer gewagten These: "Glauben Sie mir: Die Schauspielerei ist der leichteste Job der Welt". Wie denn das? "Man muss einfach nur lügen können. Und das kann ja wohl wirklich jeder". Kassovitz kokettiert mit der Radikalität seiner These, aber man merkt ihm den Ernst auch an, mit der er sie vorträgt.

"Ich bin erst als Regisseur draufgekommen, dass es so ist. So und nicht anders", sagt er. Um gut zu lügen, muss man ein gewisses Maß an Frechheit an den Tag legen, findet Kassovitz. "Du bist ein guter Schauspieler, wenn du dich einen Scheißdreck scherst". Das bedeutet: Nicht darauf achten, was die anderen sagen, sondern tun, was man für richtig hält. "Dann wird eine Performance gut". Und der Regisseur? Hat der nicht auch ein Wörtchen mitzureden? "Nein, eigentlich nicht. Denn: Er kann dich nur besetzen, danach ist sein Einfluß eigentlich beschränkt. Er bucht dich als Person, nicht als leere Hülle".

Dennoch gibt es diesen Moment, in dem jeder Schauspieler merkt, wie sehr er eine Marionette der Filmemacherei ist, findet Kassovitz. "Sie sagen zu dir, sie wollen dich für die Rolle, sie stellen dich vor die Kamera und geben dir Texte zum Lernen und danach gehst du wieder. Das ist also kein sehr intellektueller Job". Nachsatz: "Aber ein lukrativer. Du kriegst Millionen dafür, dass du zwei Seiten Text auswendig lernst. Ich würde sagen, das ist ein verdammt guter Job".

Kassovitz’ Qualitäten in dem Job überprüfen kann man schon demnächst: Dann nämlich, wenn Kassovitz als Schauspieler bei Michael Haneke in dessen neuestem Film "Happy End" zu sehen sein wird (ab Oktober im Kino). Seinem Regie-Kollegen streut er nur Rosen: "Michael ist ein Mensch, mit dem man herzlich lachen kann. Zugegeben: Manchmal weiß man nicht so recht, worüber er sich amüsiert, aber am Ende lachen alle". Eine Seite an Haneke, die man in der Öffentlichkeit kaum kennt. "Das stimmt", sagt Kassovitz. "Aber es ist wahr: Er ist ein Komödiant".





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Dokument erstellt am 2017-08-08 07:11:39
Letzte Änderung am 2018-07-31 16:03:50



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