• vom 04.08.2018, 16:09 Uhr

Filmfestival Locarno

Update: 05.08.2018, 13:43 Uhr

Filmfestival Locarno

Meg Ryan: "#metoo ist Pendelbewegung gegen Trump"




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Von Matthias Greuling aus Locarno

  • Der Filmstar wurde mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Das Festival wollte ihren Auftritt perfekt und sicher machen.

"Ich glaube, die #metoo-Bewegung wird tatsächlich etwas verändern an Hollywood - und an der Gesellschaft", sagt Meg Ryan. - © Wiener Zeitung, Katharina Sartena

"Ich glaube, die #metoo-Bewegung wird tatsächlich etwas verändern an Hollywood - und an der Gesellschaft", sagt Meg Ryan. © Wiener Zeitung, Katharina Sartena

Großes Sicherheitsaufgebot, restriktive Taschenkontrollen, Einlassbeschränkungen, Mitschnitt-Verbote für etliche Journalisten - Locarno hat inzwischen den Status vieler anderer Großveranstaltungen erreicht und ist nicht mehr das Festival, bei dem man die Filmemacher so ohne weiteres auf Du und Du ansprechen konnte. Alles läuft nun "professioneller" ab, viel weniger lässig als früher, viel nervöser und fiebriger.

Auch das Treffen mit Hollywood-Girl-Next-Door Meg Ryan zeigte das. Man überreichte ihr hier den Leopard Club Award, allerdings nicht wie geplant auf der Piazza Grande, sondern im wenig schmucken Auditorium Fevi, ein Ausweichquartier bei Schlechtwetter. Denn die Piazza versank am Freitag Abend im Platzregen. "Unglaublich, wie es gelingt, so viele Tausend Menschen binnen kurzer Zeit in das Ausweichkino umzuleiten", staunte auch Meg Ryan nicht schlecht, als wir sie Samstag Mittag zum Gespräch im 5-Sterne-Hotel Orselina, hoch über den Dächern von Locarno, treffen.

 Größtmögliche Distanz, bitte!

Wie bei jedem (ehemaligen) großen Star, der hier in Locarno geehrt wird, gibt es auch im Fall von Meg Ryan etliche Vorbedingungen: Etwa, dass beim öffentlich zugänglichen (!) Gespräch im Spazio Cinema dann von Journalisten doch nicht mitgefilmt werden darf, weil Frau Ryan das in ihrem Vertrag stehen hat. Größtmögliche Distanz, bitte! Dabei hätte sich die inzwischen 56-jährige Schauspielerin mit dem unverkennbaren Schmollmund gar nicht zu verstecken brauchen: Ihr Äußeres hatte man schon schlimmer in Erinnerung, doch heute gibt es keine Spur mehr von Schönheits-OPs. Naja, fast keine.


Aber immer diese Äußerlichkeiten, darum geht es doch gar nicht, oder? Doch, genau darum geht es. Vor allem, wenn jemand wie Meg Ryan so sehr auf diese eine Rolle festgelegt war, als All-American-Girl, als süße Nachbarin von Nebenan, in die man sich einfach verlieben musste, wenn man mit ihr Pferde stehlen ging. Dass Hollywood sie wie fast alle Frauen jenseits der 40 gnadenlos aussortiert hatte, gehört zum Schicksal dieses Berufsstandes. Wobei: In Stein gemeißelt ist das nicht.

"Ich glaube, die #metoo-Bewegung wird tatsächlich etwas verändern an Hollywood - und an der Gesellschaft", sagt uns Meg Ryan. "Man muss sich das wie eine Pendelbewegung vorstellen. In gewisser Weise war das Aufbrechen der Machtstrukturen Hollywoods auch eine Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten. Damals gingen Millionen Amerikaner auf die Straße, und nun werden die Machtverhältnisse in den männerdominierten Berufen hinterfragt. All das als Reaktion auf diesen Präsidenten", so Ryan. Das Pendel werde auch wieder in die andere Richtung ausschlagen, aber "irgendwann wird es sich wieder in der Mitte einpendeln. Und dann ist es wichtig, dass es bleibende Veränderungen für die Frauen in der Branche und im ganzen Land gibt".

Rückzug aus Hollywood

Dass diese Veränderungen bereits heute greifen, beweist Meg Ryan höchstselbst: Nach ihrem Rückzug aus Hollywood arbeitet sie heute vor allem als Produzentin und entwickelt Filmstoffe. "Da lernt man wirklich, was es heißt, Filme zu machen", sagt sie. "Man muss so viele Dinge gleichzeitig unter einen Hut bringen, dass ich nur jedem jungen Schauspieler raten kann: Führt auch Regie, schreibt Drehbücher, produziert! Denn erst das erschließt euch die Filmwelt wirklich".

Am Ende des Gesprächs hat man großen Respekt vor dieser Frau, die Hollywood nicht nur karrieretechnisch, sondern auch menschlich überlebt hat. Und davon, möglichst auf Distanz zu bleiben, war auch keine Rede mehr. Ein Kollege hat sich sogar getraut, um ein Autogramm zu bitten. Er bekam es sogar mit einer Widmung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-08-04 16:10:05
Letzte Änderung am 2018-08-05 13:43:12




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