Venedig. Gold für Schweden: Roy Anderssons "A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence" ist mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet worden. Das gab die Jury unter Vorsitz des französischen Filmmusikkomponisten Alexandre Desplat am Samstagabend bekannt. Der Große Preis der Jury ging an Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm "The look of silence".

Eine Taube, die die Existenz bedenkt und die Menschen beobachtet, steht im Mittelpunkt von Anderssons Film, der zu den Favoriten des Filmfestivals gezählt hatte. Anderssons Wettbewerbsbeitrag ist der abschließende Teil einer Trilogie, die sich mit der Frage befasst, was es bedeutet, Mensch zu sein. Der Film setzt sich aus Episoden zusammen. Manche sind mehrteilig in den Film eingefügt, andere als Einzelstücke.

Großer Preis der Jury für "The look of silence"

Joshua Oppenheimer. Sein Dokumentarfilm "The look of silence" erhielt den Großen Preis der Jury. - © Katharina Sartena
Joshua Oppenheimer. Sein Dokumentarfilm "The look of silence" erhielt den Großen Preis der Jury. - © Katharina Sartena

Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm "The look of silence", der den Großen Preis der Jury erhielt, zählte ebenfalls von Anfang an zu den Favoriten des Festivals. Der US-Regisseur widmet sich in seinem Werk den Opfern von Massakern in Indonesien in den Jahren 1965 und 1966. Im Mittelpunkt des Films steht der Optiker Adi, der seinen Bruder durch Gräueltaten verloren hat und nun Klarheit über die damaligen Geschehnisse verlangt. Das Werk ist eine Fortsetzung von Oppenheimers "The Act of Killing", bei dem sich der Regisseur vor allem auf die noch lebenden und nicht bestraften Täter hinter den Massakern konzentriert hatte.

Adam Driver bester Schauspieler

Den Goldenen Löwen für den besten Schauspieler erhielt Adam Driver, verzweifelter Vater im Film des italienischen Regisseurs Saverio Costanzo "Hungry Hearts". In demselben Fim spielt die Italienerin Alba Rohrwacher, die als beste Schauspielerin gekürt wurde. "Hungry Hearts" kreist um den Kampf zwischen zwei Eheleuten um die Ernährung des einzigen Sohnes.

Der deutsch-türkische Film "Sivas" wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Das Werk des in Berlin lebenden Kaan Müjdeci handelt von einem Buben und dessen Kampfhund in einem türkischen Dorf.

Bestes Drehbuch für iranischen Film "Ghesseha"

Für das beste Drehbuch wurde "Ghesseha" (Tales) der iranischen Regisseurin Rakhshan Bani-Etemad ausgezeichnet. "Das ist ein riesiges Geschenk für alle Iraner, die den Film lieben", kommentierte die Regisseurin bei der Preisverleihung. Bani-Etemad bietet in ihrem Werk ein breites Panorama der modernen Gesellschaft in ihrem Land an. Die Filmemacherin konzentriert sich dabei auf Frauenfiguren. Einem vom Westen erwarteten Klischee - das der unterwürfigen Frau - begegnet man im Film allerdings nicht.

In der Orizzonti-Schiene eroberte der indische Film "Court" des Regisseurs Chaitanya Tamhane den ersten Preis. Der von Ulrich Seidl produzierte Film "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala, dem in dieser Schiene gute Chancen eingeräumt wurden, ging leer aus.

Das Filmfestival von Venedig ist das älteste der Welt. Es zählt neben Cannes und Berlin zu den wichtigsten der Branche.