Wenn Rocco Siffredi, bürgerlich Rocco Antonio Tano, geboren 1964 in der italienischen Provinz, vor einem steht und die Hände schüttelt, könnte man denken, man hat es mit einem smarten, überaus gepflegten Geschäftsmann zu tun, Anfang 50, gut situiert, seriös und vor allem eloquent. Und genau all das ist er auch, nur das Geschäft, in dem er tätig ist, steht im Verruf. "Ich mache Pornos, seit ich denken kann und die Leute finden es schmuddelig", sagt Siffredi. "Aber ich wollte meine Sexsucht eben zu meinem Lebensinhalt machen".

Siffredi ist das Thema der Doku "Rocco" von Thierry Demaiziere und Alban Teurlai, die in Venedig ihre Uraufführung außerhalb des Wettbewerbs erlebte und gefeiert wurde. Die beiden Filmemacher haben sich dem "Italian Stallion" (wie ihn seine Website bewirbt) auf eine sehr persönliche Weise genähert. Rocco, der in knapp 1700 Pornofilmen vor allem zeigen durfte, wie groß sein bestes Stück ist, und auch wie ausdauernd, erzählt hier aus dem Nähkästchen, wie Muttern ihm dereinst den Weg gewiesen hat, als er mit dem Wunsch, Pornostar zu werden, ankam: "Sie meinte: Wenn das wirklich das ist, was du machen willst, dann tu es!", erzählt Siffredi und sagt: "Meine Mutter war und ist die wichtigste Frau in meinem Leben". Ein Satz, den die meisten italienischen Männer wohl unterschreiben würden.

Rocco Siffredi rechnet überschlagsmäßig: "Ich habe 1700 Filme gemacht, im Durchschnitt jedesmal drei Frauen gehabt, hinzu kommen die Sonderdrehs an Wochenenden". Wer rechnen kann, weiß: Dieser Mann hatte sehr früh aufgehört zu zählen. Und außerdem: "Es gab Filme, da war Rocco mit 100 Frauen zugange. Aber glauben Sie mir: Das macht keinen Spaß mehr".

Rocco Siffredi erinnert sich an die Anfänge: "Das Ganze begann, als ich acht Jahre alt war, damals habe ich zum ersten Mal masturbiert. Und seit damals hat sich das Verlangen nach Sex immer nur noch mehr gesteigert. Als Pornoschauspieler habe ich 20 Jahre lang nicht mitbekommen, dass ich sexsüchtig war. Erst als ich ausgestiegen bin, wurde mir bewusst, wie süchtig ich wirklich bin".

Rocco hat seine Sucht zum Beruf gemacht. Seine Website und die Filme verkaufen sich weltweit bestens, ein Dreh mit Rocco hatte den Ruf, "dass sich die teilnehmenden Pornodarstellerinnen danach erst einmal drei, vier Tage Urlaub nehmen mussten",erzählt sein Cousin im Film, der bei allen Rocco-Produktionen die Kamera führt. Der Italian Stallion hielt, was er versprach. Und gibt den Mädchen, die er hier der Reihe nach flachlegt, auch gleich gute Ratschläge: "Wenn du nicht bereit bist, Analsex-Szenen zu drehen, dann wirst du im Pornogeschäft nur sehr wenige Aufträge bekommen".