Wer Vince Vaughn gegenüber sitzt, der muss zunächst einmal vor Ehrfurcht erstarren, allein schon ob der Größe des Gegenübers. Es wirkt, als wäre der Schauspieler gut einen Kopf größer als man selbst, egal wie groß man ist (oder sich fühlt).

Auch Mel Gibson ist Vince Vaughn größenmäßig unterlegen, es steht 1,77 Meter zu 1,96 Meter. Dennoch befinden sich die beiden auf Augenhöhe, wenn man ihren neuen Film "Dragged Across Concrete" sieht. Darin geben sie zwei Cops, die vom Dienst suspendiert werden, weil ein Video beweist, dass sie Polizeigewalt angewandt haben. Frustriert wenden sie sich neuen Jobs im Untergrund zu, die sie Dinge sehen lässt, die ihnen in ihrer ganzen Laufbahn als Polizisten nie untergekommen sind. Der Film von S. Craig Zahler, der auch das Drehbuch schrieb, wird in Venedig außer Konkurrenz gezeigt und thematisiert das in den USA sehr heikel diskutierte Thema von Polizeigewalt gegen Farbige.

Düsteres Ermittlerduo

"Das Script ist sehr intelligent und zeigt all die Zwischentöne, die es im Polizeialltag gibt", so Vince Vaughn. "Es gibt viele Cop-Filme mit einem Ermittlerduo, aber selten werden diese so düster gezeigt", findet der Schauspieler.

Vaughn, 48, der seine Karriere in den späten 80er Jahren begann und danach Filmhits wie "Trennung mit Hindernissen", "Die Hochzeits-Crasher" oder "All Inclusive" drehte, hat viele Komödien gemacht, "aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Deshalb ist ein Film wie ‚Dragged Across Concrete‘ auch sehr interessant für mich, weil mich Krimis und Dramen mindestens ebenso reizen wie Komödien".

Den Hang zum Kino hat Vince Vaughn bereits als Kind von seinen Eltern mit auf den Weg bekommen: "Mein Vater hatte gewisse Filme einfach geliebt, von ‚Der Pate‘ bis hin zu ‚Dog Day Afternoon‘", erzählt er. "Dadurch wurde ich schon in sehr jungen Jahren mit Film und Kino konfrontiert".

Kein Masterplan

Einen Plan B hätte es nie gegeben, für den Fall, dass das mit der Schauspielkarriere doch nicht hingehauen hätte, versichert Vaughn. "Man muss sich das so vorstellen: Alles, was passiert ist in meiner Karriere, ist passiert. Dahinter stand nie ein Masterplan. Wenn man das mit irgendetwas vergleichen kann, wie sich das anfühlt, dann vielleicht so: Es ist, als würde man sich verlieben - das kann man schließlich auch nicht planen".