Können da Maßnahmen wie der Papamonat helfen?

Was ist ein Monat in Relation zu über 200? Die restlichen sind dann Frauensache? Der Papamonat hat mit gleichberechtigter Elternschaft nichts zu tun. Die würde bedeuten, dass es beider Verantwortung ist, diesen kleinen Menschen ins Leben zu begleiten - und nicht nur die "gute Mutti", die als kostenlose Ressource einer neoliberalen Gesellschaft Wärme und Liebe spendet.

Frauen müssen sich aber auch für diese klassische Rollenverteilung entscheiden dürfen . . .

Dafür müssten wir uns als Gesellschaft fragen, ob wir uns Geschlechtergerechtigkeit finanziell überhaupt leisten könnten. Wie entschädigen wir Mütter für die geleistete Arbeit bis hin zu einer fairen Pension? Und wir müssen uns fragen, wie wir Macht besser verteilen können, wie wir Frauen im öffentlichen Diskurs repräsentieren. Mütter mit kleinen Kindern haben eine andere Zeiteinteilung und können dadurch an vielen maßgeblichen politischen Entscheidungen nicht teilhaben. Dabei sind sie es, die an vielen drängenden Fragen näher dran sind als so mancher Mann.

Mutterschaft wird damit zu einer politischen Angelegenheit und ist gar nicht mehr der intime private Bereich, als der Familie derzeit gilt.

Mutterschaft war nie ein rein privates, individuelles Problem. Früher haben Familien in größeren Strukturen funktioniert. Der Fokus auf die Mutter ist vielleicht 150 Jahre alt. Früher war die ganze Familie, die Umgebung verantwortlich. Die Aufwertung der Mutter macht ja auch etwas mit dem Kind. Und es macht sie zum einzigen Repräsentanten des Glücks für das Kind. Das ist auch eine enorme Verantwortung für die Mutter.

Damit geht aber auch eine Macht einher, die viele Frauen nicht aufgeben wollen...

...und Männer wollen die Macht nicht aufgeben, Alleinverdiener zu sein. Niemand verliert gerne Macht und Einfluss. Männer und Frauen verlieren dabei aktuell aber beide. Er verliert, weil er finanziell massiv unter Druck steht. Sie gerät in langfristige Abhängigkeiten. Von einer Gleichstellung würden beide profitieren. Das ist eine Erkenntnisfrage.

Wenn beide Geschlechter profitieren, warum ändert sich nichts?

Frauen allein werden es nicht schaffen, diese Veränderungen durchzusetzen. Dazu braucht es Männer, die ihren eigenen Nutzen erkennen. Das war bei allen bisherigen Errungenschaften so - vom Frauenwahlrecht bis zur Abtreibung -, da hat es potente Frauen und Männer gebraucht.

Aktuell wird Gleichwertigkeit oft mit Gleichheit verwechselt. Warum?

Gleichheit ist ein moralisches Prinzip, keine Tatsachenbehauptung. Frauen und Männer sind nicht gleich. Entscheidend ist, dass wir gemeinsame Interessen haben, die gleichwertig gewahrt werden müssen. Da geht es um das gleiche Bedürfnis nach Obdach, nach liebevollen Beziehungen. Dafür spielen körperliche Unterschiede keine Rolle. In patriarchalen Systemen werden die Bedürfnisse von Männern denen von Frauen vorgezogen. Wenn wir wollen, dass in einer Gesellschaft Kinder geboren werden, dann müssen wir auf die Interessen der Frauen Rücksicht nehmen. Kinder zu haben, kann nicht allein auf ihre Kosten gehen.