Traditionelle Rollenbilder sind wieder populärer, auch bei Frauen. Woran liegt das?

Diese Backlashes kommen immer wieder und sind ein Abwehrmechanismus in unsicheren Zeiten - aber auch ein Resultat knapper werdender Ressourcen. Da wird der Familienerhalter gestärkt. Die Frau muss ja nicht unbedingt auf den Arbeitsmarkt, ist ja auch praktisch, wenn sie da Platz für Männer frei macht. Somit erhält sich das System noch eine Runde. Das wird vor allem dann problematisch, wenn es rechtliche Konsequenzen hat - wie in Debatten über das Abtreibungsverbot oder Bekleidungsvorschriften.

Aktuell dominiert die Debatte die Gewalt gegen Frauen. Ließe auch die sich durch Geschlechtergerechtigkeit bekämpfen?

Sicher auch dadurch. Und mit der Enttabuisierung des Körpers. Da nehmen wir uns als Gesellschaft als viel emanzipierter wahr, als wir es sind. Was junge Menschen an Unwissenheit, aber auch Abscheu gegenüber Themen wie Verhütung oder Menstruation haben, ist erschreckend. Sobald etwas tabuisiert wird und durch Unwissen vage bleibt, wird es unheimlich, ruft es nach Macht und Kontrolle. Dagegen angehen kann man mit ordentlicher Aufklärung im Biologie- und Ethikunterricht oder mit Gratis-Verhütungsmitteln.

Das effizienteste Schräubchen bleibt aber wohl Geld?

Da ist eine Urforderung des Feminismus und der Schlüssel, um viele Missstände anzugehen. Wenn Frauen nur aus ökonomischen Zwängen bei ihren Partnern bleiben - das kann auch nicht im Interesse der Männer sein.

Was feiern wir am 8. März? Wäre der einzige Grund nicht die Abschaffung des Frauentages?

Er ist aber leider noch immer notwendig. Und zugleich peinlich. Wir haben es noch immer nicht geschafft. Echte "Brüderlichkeit" zwischen Menschen kann es nur unabhängig von Geschlecht geben.