Wien. Mehr Frauen in die Forschung: Im Jahr 2003 reihten die Autoren eines EU-Benchmarking-Berichts Österreich an die vorletzte Stelle beim Anteil der Wissenschafterinnen an Unis und in Unternehmen. Seither laufen eine ganze Reihe von Förderprogrammen, die bewirken sollen, dass er steigt. Doch erreichen sie ihr Ziel?

"In absoluten Zahlen ist die Zunahme beachtlich. Allerdings starteten wird von einem sehr niedrigen Niveau", sagt die Genderexpertin Helene Schiffbanker von Joanneum Research. Demnach waren in Firmen mit industrienaher Forschung 1998 nur 962 von insgesamt 11.716 wissenschaftlichen Mitarbeitern weiblich, während es 2009 schon 3243 von 21.599 waren, was einer Steigerung von neun auf 18 Prozent entspricht. An den Universitäten arbeiteten 3831 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen von 11.212 im Jahr 2009, während es 1998 nur 1344 von 5955 waren - eine Steigerung von 23 auf 34 Prozent. Für 2010 verweist Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle auf einen 40-prozentigen Frauen-Anteil an Unis.

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Allerdings waren 2010 insgesamt 52,5 Prozent der Studierenden, aber nur 20,6 Prozent der Professoren weiblich. "Der Frauenanteil hat sich nicht derart erhöht, wie die Maßnahmendichte erhoffen lässt", betont Schiffbanker, Österreich-Leiterin des EU-Projekts "Gendera", das Maßnamen unter die Lupe nimmt. "Die Programme waren insofern erfolgreich, als dass Frauen nun Zutritt zum System haben. Aber die Frage, wer aufsteigt, ist von männlichen Normen geprägt."

Der "ideale Forscher" arbeitet lange und hat kaum private Verpflichtungen. Wer Teilzeit arbeitet, weil Kinder zu versorgen sind, macht weniger Karriere. Wissenschafterinnen verdienen um 25 bis 30 Prozent weniger als ihre Kollegen. "Wir reden nicht umsonst von einer gläsernen Decke: Was wir nun verändern müssen - Wertehaltungen, das Volksverständnis von Forschung -, ist unsichtbar", so Schiffbanker.

Gertraud Oberzaucher, bis 2010 Leiterin des nun beendeten Kompetenzzentrums "Fem Tech" zur Förderung von Forscherinnen in Betrieben, betont: "Mit Förderprogrammen allein wird man die Gesellschaft noch nicht ändern. Wichtig ist auch ein Umdenken in Unternehmen." Denn diese könnten von Gender-Diversität sogar finanziell profitieren. Durch sie erzielte der Arbeitskräfteüberlasser ADCCO in Frankreich eine Produktivitätssteigerung von sechs Prozent binnen drei Jahren.

Andrea Rainer leitet "Talente", das Folgeprogramm von Fem Tech, in der Forschungsförderungsgesellschaft. "Die Chancengleichheit wird zunehmend in die gesamte Forschungsförderung integriert, damit wir Strukturen nachhaltig ändern können. Jedoch kann diese Förderung nur ein kleiner Treiber sein", betont sie. Schiffbanker ist "unbedingt für eine Quote: Ohne sie geht es nicht." Die Politik müsse sich genaue Ziele setzen, wie viele Frauen bis wann Führungspositionen innehaben sollen, und neue Wege finden, zu überprüfen, warum Gleichstellungsziele nicht erreicht werden. Besonders in diesem letzten Punkt hapert es. Denn obwohl die Förderungesellschaften ihre Programme bis ins Detail evaluieren, können sie in Betrieben kaum nachprüfen, ob der Frauenanteil nach Ende der Förderperiode wieder sinkt. Die Fem-Tech-Folgeprogramme sollen 2012 4,3 Millionen Euro vergeben.