Wien. (klh) Es ist ein Thema, das nie ausgespart wird, wenn ein tschechisches Staatsoberhaupt Österreich besucht: das umstrittene Atomkraftwerk Temelin. Keine Ausnahme bildete da der Besuch des neuen tschechischen Präsidenten Milos Zeman am Dienstag in Wien bei seinem österreichischen Amtskollegen Heinz Fischer. Doch während das grenznahe AKW früher oft für frostige Stimmung zwischen den beiden Ländern sorgte, wollten die beiden Politiker diesmal keine Zwietracht aufkommen lassen.

Man stehe auf dem Standpunkt, dass jeder Staat "über seine Energiepolitik selbstständig entscheidet", sagte Fischer. Gleichzeitig bestehe aber "ein Anspruch auf optimale Sicherheitsbedingungen". Zeman wiederum betonte, dass er die Ansicht Fischers zur Atomsicherheit teile.

Die langjährigen österreichischen Bedenken haben jedenfalls Tschechiens Haltung zur Atompolitik nicht verändert. Und auch die Katastrophe von Fukushima hat, im Gegensatz etwa zu Deutschland, nicht zu einem Umdenken geführt. Das AKW Temelin soll gar erweitert werden: Zu den beiden bestehenden Blöcken sollen noch zwei hinzukommen.

Doch auch in Tschechien gab es zuletzt Zweifel ob dieser Pläne. So hinterfragte Außenminister Karel Schwarzenberg in einem Interview mit der Zeitung "Pravo", "ob es in veränderten ökonomischen Umständen überhaupt Sinn hat, Temelin auszubauen". Denn verschärfte Sicherheitsanforderungen und neue Technologien würden AKW zu einer teuren Angelegenheit machen. Noch steht in Prag aber die Front der Befürworter, zudem läuft schon das Auswahlverfahren für den Ausbau des Kraftwerks.

Neben Temelin ging es bei Zemans Wien-Besuch auch um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen, österreichische Firmen zählen zu den größten Investoren in Tschechien. Zeman meinte in diesem Zusammenhang, "fremdenfeindliche Parteien" hätten vor dem Eindringen von Fremden auf den österreichischen Arbeitsmarkt gewarnt. Seit dieser geöffnet wurde, hätten aber lediglich 1350 Tschechen in Österreich zu arbeiten begonnen. Und die hätten den Arbeitsmarkt "sicher nicht ins Wanken gebracht".