Nur einmal wird es hier laut - als nämlich Igor die Besucher, leicht panisch ermahnt, doch sofort wieder aus den Gebäuden zu kommen und die gepflückten Äpfel zurückzulegen. Erst kürzlich sind Decken in zwei Häusern eingestürzt, zum Glück kam niemand zu schaden, erzählt der Reiseführer. Die ukrainische Regierung denkt bereits länger darüber nach, die ganze Stadt zurückzubauen. Dass mit den Arbeiten noch nicht begonnen wurde, liegt wohl am fehlenden Budget.

Früher lebten in dem heutigen Sperrgebiet 115.000 Menschen. Und auch wenn Pripyat und andere Dörfer komplett geräumt wurden: Gänzlich menschenleer ist das Gebiet um Tschernobyl nicht. Es gibt 200 Rücksiedler, die in Tschernobyl-Stadt und sieben anderen Orten leben. "Die sind im Schnitt 75 Jahre alt", sagt Igor. Die gesamte Infrastruktur, abgesehen von Kindergärten und Schulen, ist vorhanden, die Bewohner werden regelmäßig untersucht.

Zudem arbeiten 7000 Menschen nach wie vor in dem Gebiet, 3000 davon direkt bei den Atomanlagen - diese müssen nach wie vor überwacht werden, aber auch radioaktive Abfälle abgebaut werden. Drei Mal täglich bringt ein Zug die Arbeiter, die 50 Kilometer außerhalb leben, in die Sperrzone. Sie verdienen im Schnitt 1000 US-Dollar im Monat, das sei "besser als draußen".

Bis auf 300 Meter dürfen Besucher an den mit einem "Sarkophag" aus Stahlbeton ummantelten havarierten Reaktorblock heran. Die Strahlenbelastung an dem Ort ist nicht hoch, im Umkreis von einem Kilometer wurden fünf Zentimeter der Erde abgetragen und neue verlegt. Wenige Meter gegenüber wird gerade ein neuer Sarkophag gebaut, 110 Meter hoch, der nach Fertigstellung - diese ist für 2015 anvisiert - über den alten gerollt werden soll und Vorrichtungen beinhaltet, mit denen man alle radioaktiven Stoffe aus dem Unglücksreaktor herausholen will. Offiziell soll das bis 2023 dauern. Igor aber wagt aber auch hier keine eigene Einschätzung.