Brüssel. EU-Energiekommissar Günther Oettinger will eine einheitliche Haftpflichtversicherung für alle Atomkraftwerke in Europa einführen. Dann würden die "wahren Kosten" der Atomkraft transparent werden, sagte Oettinger der "Süddeutschen Zeitung" von Donnerstag. Die Versicherungssumme müsse so hoch wie möglich ausfallen und werde sicher bei einer Milliarde Euro oder höher liegen.

Die Versicherungspflicht für Atomkraftwerke werde "automatisch zu höheren Kosten" für die Verbraucher führen, da die Betreiber die Kosten auf die Strompreise umlegen würden, erläuterte der CDU-Politiker. Die staatlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, mit der sich Betreiber von Atomkraftwerke für den Fall eines Unfalls absichern, ist derzeit extrem unterschiedlich in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten. Laut dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" liegt die Versicherungssumme in den Ländern Osteuropas besonders niedrig. Eine Festlegung der Summe auf eine Milliarde Euro wäre nach Ansicht Oettingers zumindest ein Anfang.

Reale Kosten höher

Dabei ist klar, dass die realen Kosten eines Atomunglücks weitaus höher liegen würden. Experten schätzen die bisherigen Kosten des Atomunglücks im japanischen Fukushima auf 187 Milliarden Euro. Laut dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wäre in Europa aufgrund der dichteren Besiedlung mit noch deutlich höheren Kosten zu rechnen. Oettinger kündigte an, im Frühjahr einen Vorschlag für die einheitliche Haftpflicht vorzulegen. Im Jänner wolle er zudem den verschobenen Subventionsbericht für Kohle, Gas und erneuerbare Energien vorlegen.