Prag. Eine neue Ausschreibung für den Ausbau des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin könnte es bereits 2015 geben. Dies erklärte der stellvertretende Vorstandschef des zu 70 Prozent staatlichen Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) Vaclav Paces im Tschechischen Fernsehen.

Obwohl ein Projekt für den Aufbau eines dritten und vierten Blocks in Temelin vorerst gestoppt worden war, setzt CEZ laut Paces die Vorbereitungen für ein anderes Projekt fort."Wahrscheinlich kommt es im nächsten Jahr zur Entscheidung, die zu der Ausschreibung eines neuen Tenders führen wird", sagte Paces. Im Spiel seien Varianten, wonach in Temelin ein oder zwei Blöcke gebaut würden, oder es werde das südmährische Atomkraftwerk Dukovany ausgebaut. Er, Paces, sei zwar "kein fanatischer Befürworter der Atomkraft", allerdings sei es für Tschechien vorteilhaft, neue Reaktoren aufzubauen. Der Biochemiker und Professor Paces war früher der Vorsitzende der Tschechischen Wissenschaftsakademie.

Zweifel an der Rentabilität

CEZ hatte im April beschlossen, das Projekt für den Aufbau eines dritten und vierten Blocks in Temelin vorerst zu stoppen. Der Grund waren Zweifel an der Rentabilität, weil die Strompreise in der letzten Zeit sanken. Die Prager Regierung wollte dabei keine Garantien für die Aufkaufpreise gewähren. Aus den Äußerungen der tschechischen Politiker geht jedoch hervor, dass Temelin künftig doch ausgebaut wird, wobei ein neues Auswahlverfahren mit mehreren Bewerbern ausgeschrieben werden sollte.

An dem aufgehobenen Verfahren hatten der US-japanische Konzern Westinghouse und das tschechisch-russische Konsortium MIR.1200, bestehend aus Skoda JS und Rosatom, teilgenommen. Beteiligt war auch die französische Areva, die jedoch von CEZ 2012 aus dem Verfahren ausgeschlossen worden war, weil sie die Bedingungen nicht erfüllt habe.