Wien/Prag. Die vier Reaktoren haben keine Schutzhülle. Bei den Stresstests nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 sind sie durchgefallen. Das zwischen 1985 und 1987 in Betrieb genommene, tschechische Kernkraftwerk Dukovany, nur 35 Kilometer von der Grenze und 200 Kilometer von Wien entfernt, gilt als veraltet. Und dennoch ging es diese Woche wieder in Volllast-Betrieb, nachdem zwei Reaktoren nach einem Zwischenfall Anfang November notabgeschaltet worden waren.

Österreich wehrt sich gegen die von den Tschechen angestrebte Laufzeitverlängerung von 30 Jahren, fordert davor eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) - und muss zeitgleich an einer weiteren Front gegen die potenzielle Strahlengefahr kämpfen. Tschechien hat sieben Standorte für ein Atommüll-Endlager ins Auge gefasst, alle zwischen 20 und 80 Kilometer vom Wald- oder Weinviertel entfernt. Während Tschechien bereits sämtliche Voruntersuchungen für diese Endlager-Vorschläge genehmigt hat, hat der österreichische Nationalrat Mittwochabend einstimmig einen vom Team Stronach initiierten Entschließungsantrag in Sachen Atomkraft verabschiedet: Demnach muss die Koalition bei der tschechischen Regierung Informationen über die weitere Planung und Errichtung des Endlagers einholen und erwirken, dass Österreich von den tschechischen Behörden eingebunden wird.

Umweltminister prüft
rechtliche Schritte

"Ich werde alle rechtlichen Maßnahmen ergreifen, dass es kein Endlager in Grenznähe von Österreich geben wird", twitterte unmittelbar darauf Umweltminister Andrä Rupprechter. Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" heißt es aus dem Ministerium: Österreich beteilige sich an sämtlichen Verfahren und werde seine Sicherheitsinteressen einbringen.

Obwohl sich Tschechien bisher eher bedeckt hielten, signalisierte Außenminister Lubomir Zaoralek in der Vorwoche ein gewisses Entgegenkommen. "Wir haben keinen Grund, die Weitergabe dieser Informationen an ausländische Kollegen zu behindern", sagte er im Zuge eines Treffens mit Österreichs Außenminister Sebastian Kurz zum Projekt eines Atommüll-Endlagers.

Tatsache ist, dass es diesbezüglich noch keinerlei Erfahrungswerte gibt - weil weltweit noch kein einziges Endlager existiert. Das Problem dabei: Atommüll-Endlager müssen auf eine Laufzeit von 240.000 Jahre konzipiert sein. In dieser Zeit kann alles passieren: Von Erdbeben bis hin zu Eiszeiten ist jede Naturkatastrophe möglich. Die größte Gefahr ist laut Global 2000, dass die Fässer voller Atommüll beschädigt werden, Wasser eindringt - und dadurch radioaktives Material ins Grund- und Trinkwasser gelangt.