London/Wien/Paris. Die britische Regierung gibt ihre Zustimmung für das umstrittene AKW-Projekt Hinkley Point. Das Vorhaben solle umgesetzt werden, erklärte Energieminister Greg Clark. Dabei solle mit neuen Maßnahmen für eine "erhöhte Sicherheit" des AKW-Baus gesorgt werden.

Österreich und andere Staaten klagen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die milliardenschweren Staatssubventionen für das Projekt - nach dem angekündigten Austritt Großbritanniens aus der EU dürfte diese Klage allerdings den Boden unter den Füßen verlieren.


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"The Guardian" zu Hinkley Point
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Projekt wegen finanziellen Risiken umstritten

Die britische Regierung hatte eine Entscheidung über Hinkley Point für den "frühen Herbst" angekündigt, nachdem der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF Ende Juli für das Vorhaben gestimmt hatte. Das Projekt in der Nähe von Bristol im Südwesten Englands war wegen der finanziellen Risiken auch innerhalb des Staatskonzerns höchst umstritten. Bei dem Vorhaben mit einem Volumen von 18 Milliarden Pfund (21,4 Milliarden Euro) kooperiert EDF mit dem chinesischen Konzern CGN.

Die Investitionsentscheidung über Hinkley Point wurde wegen der internen Differenzen immer wieder verschoben. EDF gehört zu fast 85 Prozent dem französischen Staat. Die Regierung steht hinter dem Projekt, die Atomindustrie ist in Frankreich mit 220.000 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber.

"Teuerstes Kraftwerk der Welt"

GLOBAL 2000 sieht in der Entscheidung der britischen Regierung für das Kernkraftprojekt Hinkley Point ein Nachgeben gegenüber dem "Druck Chinas, das mit massiven diplomatischen Verwicklungen gedroht hatte - und mit dem Entzug von Investitionen in die marode britische Infrastruktur", wie der Atom-Experte der Umweltorganisation, Reinhard Uhrig, in einer Aussendung erklärte.

Für GLOBAL 2000 gibt es drei Gründe, warum das Projekt nicht realisiert werden sollte: Zum einen werde Hinkley Point "nach Berechnungen der EU-Kommission 24,4 Milliarden Pfund verschlingen (derzeit 28,72 Milliarden Euro)" und damit "das teuerste Kraftwerk der Welt" sein. Der Aufsichtsrat des französischen Staatskonzerns Electricite de France (EDF) habe "durch massiven Druck der französischen Regierung, die nicht auf das Prestige-Projekt mit England verzichten wollte", ja zu dem Projekt gesagt.