Die Blöcke 1 und 2 des AKW Mochovce, das rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt ist, sind bereits 1998 und 2000 ans Netz gegangen. Deren Abschaltung ist für 2028 respektive 2030 geplant. Die Arbeiten an den Blöcken 3 und 4 waren in den 1990er Jahren aus Geldmangel eingestellt worden, seit 2009 waren sie wieder offiziell in Bau.

Das größte Kernkraftwerk Tschechiens ist Temelín mit zwei Reaktoren, für das ebenfalls Ausbaupläne existieren. Genauso wie in Temelín will man das AKW in Dukovany um einen Reaktor erweitern, das ein Fünftel der tschechischen Energieproduktion abdeckt - die aktuell vier Reaktoren haben keine Schutzhülle.

In Osteuropa wird generell massiv in den Ausbau der Atomkraft investiert. Zuletzt gab die EU-Kommission grünes Licht für ungarische Staatsbeihilfen zum 12,5 Milliarden teuren Ausbau des AKW Paks II. Mit seinen vier Kernreaktoren ist das AKW Paks I der größte Arbeitgeber der Region und deckt etwa 50 Prozent des ungarischen Strombedarfs. Mit Paks II sind nun zwei weitere Reaktoren geplant.

Bundeskanzleramt tendiert zu Klage gegen Paks II

Österreich betrachtet die Beihilfe als unzulässig und problematisch für die Förderung erneuerbarer Energien. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner drohte daher Anfang März mit einer Klage vor dem EuGH, er wollte aber abwarten, wie der Bescheid der EU-Kommission zum Ausbau des ungarischen AKW aussieht. Auch aus dem Bundeskanzleramt heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung", dass es "starke Tendenzen" in Richtung Klage gebe.

Abhängig vom Ergebnis könnte dann eine Nichtigkeitsklage beim Europäischen Gericht gegen den Beschluss der Brüsseler Behörde eingebracht werden. Mit einer solchen Klage ging Österreich auch 2015 gegen die rund 30 Milliarden Euro teure Erweiterung des britischen AKW Hinkley Point um zwei Reaktoren vor, dessen großzügige Subventionierung die EU-Kommission ebenfalls genehmigt hatte. London und der französische Stromkonzern EDF haben die Erweiterung dennoch im September 2016 besiegelt.

Die EU unterstützte in diesen Fällen zwar die Förderungen für den Bau von Atomreaktoren, die einzelnen Mitgliedstaaten sind jedoch gespalten. Auf der einen Seite stehen jene Länder, die in erneuerbare Energie investiert haben und auch gut daran verdienen, wie Österreich oder Deutschland. Auf der anderen Seite stehen Atom-Länder wie Großbritannien, Tschechien oder Frankreich. Beide Seiten argumentieren damit, dass ihre Energien CO2-neutral und damit in Einklang mit der EU-Strategie sind, die Treibhausgase bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren.

Atomkraft teuerste Alternative zu fossilen Brennstoffen

Atomkraft ist allerdings teuer. Einer Studie über Alternativen zu fossilen Brennstoffen im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft zufolge sind AKW sogar die teuersten Kraftwerke, die derzeit gebaut werden. Die Studie hatte sich zum Ziel gesetzt, folgende Frage zu beantworten: Wie viel Energie kann mit verschiedenen Energieträgern um eine gegebene Summe Fördergeld erzeugt werden?